Hilfe! Ich bin ein Philippus!

Lesezeit: 7 Minuten

„Wie lange zögert ihr noch, hineinzugehen und das Land einzunehmen, das euch der HERR, der Gott eurer Väter, gegeben hat?“
(Josua 18, 3)

Sorgen machen

Manchmal ertappe ich mich dabei, dass mein Verhalten im Alltag meinen Glauben nicht entspricht. Eigentlich sollte ich viel mehr Vertrauen zu Jesus haben. Sein Wissen, seine Macht und seine Liebe zu mir sind doch schließlich grenzenlos. Er möchte, dass mein Leben gelingt! Also bitte, warum agiere ich in den ganz normalen Situationen des täglichen Lebens manchmal so unsicher, zaghaft und zurückhaltend? Warum machen mir selbst kleine Herausforderungen Sorgen, Kopfzerbrechen oder gar Angst?

Mich belasten oft Dinge, die mit meiner Arbeit zu tun haben. Komisch, irgendwie treffen mich die Herausforderungen meines Jobs gefühlt härter als Schwierigkeiten aus anderen Lebensbereichen. Sie gehen mir näher und ich empfinde sie als existentieller. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich leistungsorientiert bin und alles besonders gut machen möchte. Hinzu kommt, dass mich Gewissenhaftigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl auszeichnen. Damit mache ich mir dann selbst noch mehr Druck.

Warum verfolgen mich Konflikte und schwierige zwischenmenschliche Situationen teilweise die ganze Nacht und lassen mich nicht zur Ruhe kommen? Hat das mit meinem angeborenen Harmoniebedürfnis zu tun? Wieso gelingt es mir – trotz vieler Stoßgebete – oft nicht, die um meine Probleme kreisenden Gedanken und das endlose „Kopfkino“ zu beenden und meinen Frieden damit zu finden, dass es im Leben eben nicht immer alles glatt und nach meinem Willen läuft?

„Ist es vielleicht so, weil du ein Philippus bist?“ Ich stelle mir gerade vor, dass Jesus das zu mir sagt! „Wen meinst du?“, frage ich zurück. Schließlich tauchen in der Bibel einige Männer mit diesem Namen auf. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, weiß ich in diesem Moment schon, an wen Jesus dabei denkt. Er hat seinen Jünger Philippus im Kopf!

Jesus trifft Philippus

Philippus stammte, genau wie Petrus und sein Bruder Andreas, aus Betsaida, einem Ort an der Küste des Sees Genezareth. Der Name Betsaida bedeutet „Haus der Fischerei“. Der See Genezareth, auch das Galiläische Meer genannt, ist fischreich. Insofern ist anzunehmen, dass für Betsaida die Fischerei eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung hatte. Die Bibel berichtet uns nicht viele Details über Philippus und über sein Leben. Was sie uns erzählt, hat es allerdings in sich! Wie haben Jesus und Philippus sich kennengelernt?

Diese Geschichte ist schnell erzählt. Nach seiner Taufe und der Versuchung durch den Teufel zieht Jesus nach Galiläa.1 Unterwegs begegnet er Philippus. Jesus lädt ihn ein: „Folge mir nach!“2. Das ist alles, was an dieser Stelle dazu gesagt wird. Das ist aber auch schon eine ganze Menge! Genauer gesagt, das Wesentliche!

Begeistert

Denn schaue dir einmal die Folge davon an. Wie Philippus darauf reagiert. Da steht: „Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth.“3 Philippus, das spüren wir, ist von Jesus begeistert. Als er Nathanael trifft, erzählt er ihm sofort von Jesus.

Achte einmal genau darauf mit welchen Worten er ihm Jesus vorstellt: „Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben …“. Von wem haben Mose und die Propheten denn immer und immer wieder gesprochen? Auf wen haben sie hingewiesen? Wer sollte in ferner Zukunft kommen? Genau, ich hab‘s! Der Messias! Der Gesalbte Gottes! „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde.“4, hatte Gott einmal zu Mose gesagt. Der Prophet Micha kündigte mehr als 700 Jahre vor Christus seinen Geburtsort an: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“5

Kaum zu glauben

Das war es, was Philippus aus der Begegnung mit Jesus mitgenommen hat. Das begeistert ihn. Davon muss er Nathanael unbedingt erzählen. Das aber will Nathanael nicht glauben: „Was soll das? Du spinnst wohl! Was kann denn schon aus Nazareth Gutes kommen!“, höre ich ihn sagen.6 Ich sehe sein Gesicht vor mir. Wie er halb ungläubig, halb spöttisch Philippus anschaut und ihn mit dieser Frage provoziert. Worauf Philippus zurückgibt: „Komm und schau ihn dir doch selbst einmal an!“ Ziemlich schlagfertig und selbstbewusst, finde ich! Und das bereits als Folge dieses ersten Treffens mit Jesus. Das beeindruckt mich. Da war ja nicht viel Zeit des Kennenlernens gewesen.

Wahrscheinlich hatten Jesus und Philippus zwar eine ganze Weile miteinander gesprochen. Aber es gab bestimmt keine tiefgründigen Bibelstudien oder theologischen Diskussionen. Und trotzdem war Philippus direkt Feuer und Flamme für Jesus. Er hatte überhaupt keine Scheu über Jesus zu reden. Keine Angst sich zu blamieren.

Das finde ich klasse! Das möchte ich auch haben. Diesen Mut von Jesus zu erzählen. Den Mut einfach mal meinen Glauben laut heraus zu posaunen – ohne mir vorher lang und breit Gedanken zu machen, wie die anderen darauf reagieren werden. Was sie davon halten und was sie jetzt wohl von mir denken werden. Wenn Jesus diesen Philippus in mir sieht, dann möchte mir das schon sehr gefallen! Aber ich fürchte, dass es da noch ein paar andere Facetten in Philippus gibt, auf die Jesus anspielt, wenn er ihn mir vor Augen stellt …

Brot kaufen

Einmal kommen Leute, um Jesus zu erleben. Was sage ich? Es ist eine riesige Menschenmenge, die sich versammelt hat! Männer, Frauen und Kinder – es sind Tausende! Sie haben von Jesu Wundern und den Krankenheilungen gehört. Und jetzt soll er ganz in der Nähe sein. Schnell haben sie ihre Häuser und Ortschaften verlassen, um zu ihm zu kommen. Als Jesus diese Leute sieht, hat er Mitleid mit Ihnen und kümmert sich um sie. Viel Kranke werden an diesem Tag gesund. Weil Jesus sie heilt. Darüber ist es spät geworden. Der Ort, wo sie sind, befindet sich weit außerhalb. Eine ziemlich öde und einsame Gegend.

Da wendet sich Jesus an seinen Jünger Philippus. „Wo kaufen wir Brot, damit alle diese Leute zu essen haben?“7 „Wieso kommt Jesus eigentlich auf diesen Gedanken?“, frage ich mich da. Fühlt er sich etwa für das Abendessen dieser ganzen Menschenmasse verantwortlich? Nun, davon ist wohl auszugehen. Allerdings weiß Jesus schon ganz genau, was er da tut! Er beabsichtigt mehr als nur dieses „Versorgungsproblem“ zu lösen.

Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

(Johannes 14, 14)

Obwohl das alleine ja bereits eine ziemlich große Sache ist! Jesus will darüber hinaus seinen Jüngern, Philippus vorneweg, eine kleine Lektion erteilen. Im positiven Sinne selbstverständlich! Ob Philippus ihm, Jesus, wohl etwas zutraut? Den ganzen Tag hat Jesus Menschen von ihren Leiden befreit und sie wieder gesund gemacht. Da sollte doch die Zubereitung eines Abendessen für Jesus keine große Sache sein, oder?

Genug Geld?

„Wo kaufen wir also das Brot ein, Philippus?“ „Wo kaufen wir das Brot ein? Wo kaufen wir das Brot ein?“, rattert es da im Kopf von Philippus. „Das ist eine gute Frage!“, denkt er. „Aber die viel bessere Frage, die erste Frage, die mir einfällt ist doch: Wie sollen wir das, was für so viele Menschen nötig ist, überhaupt bezahlen?“

Tja, da ist der Philippus in der Tat ein ganz praktischer Kerl. Erst einmal nachdenken. Alles gründlich überlegen. Dann einen Plan schmieden. Aber bitte nicht direkt loslaufen und dann dastehen und nicht genug Geld in der Tasche haben, um alles bezahlen zu können! „Oh, da haben wir aber jetzt ein riesiges Problem!“, erkennt der Philippus ziemlich schnell. „Jesus, wir haben nur 200 Silbergroschen. Das reicht im Leben nicht! Wenn wir damit Brot kaufen, bekommen die Leute nicht mal jeder einen Bissen davon! Es tut mir leid, Jesus, aber dein Plan funktioniert nicht!“, platzt es aus ihm heraus.8

Na, dieser Philippus passt da schon besser zu mir! Erst begeistert mit Jesus loslaufen und nun ganz schnell am Ende mit dem Latein. Mit dem eigenen, wohlgemerkt. Wie bescheuert ist das denn? Da vollbringt Jesus ein Wunder nach dem anderen – und was traue ich ihm zu? Theoretisch viel – praktisch gar nichts! Auweia, diese Erkenntnis haut mich jetzt um! Was bin ich doch – glaubensmäßig gesehen – für ein armes Häufchen Elend! Das passt doch nicht! Das geht doch gar nicht!

Kleiner Feigling

Aber es kommt noch besser! Mit diesem Philippus. Jedes Jahr feiern die Juden ganz groß das Passahfest in Jerusalem. Von überall her kommen die Leute in die Stadt. Jesus und seine Jünger sind auch dort. Ebenso eine ganze Menge Ausländer. Menschen anderer Völker, die zum jüdischen Glauben gekommen sind.

Es sind auch ein paar Griechen darunter. Die wollen Jesus kennenlernen. Sie wenden sich an Philippus. Zu dem haben sie Vertrauen. Sie sagen zu ihm: „Philippus, wir wollen Jesus sehen!“9 „Hm, da wollen wir mal schauen.“, denkt da der Philippus. „So einfach ist diese Sache nicht!“ Da muss er sich erst einmal mit jemanden beraten, wie das wohl anzustellen ist. Und so geht Philippus zunächst zu Andreas, um dieses Anliegen der Griechen mit ihm zu besprechen. „Na ja“, entscheiden die Beiden nach einer längeren Diskussion, „da wollen wir doch zuerst Jesus selbst fragen, wie er darüber denkt. Wer weiß schon, ob ihm das überhaupt recht ist, diese Männer zu treffen!“ Und so gehen dann beide zusammen zu Jesus.10

Ist das nicht der Hammer? Wo war denn da das „Komm und sieh!“? Diese schlagfertige Reaktion, die Philippus bei Nathanael gezeigt hatte. Diese Begeisterung für Jesus. Dieses Bekenntnis zu Jesus. Wumms! Das hat jetzt gesessen! Bin ich etwa auch so? Meinst du, Jesus, das könnte mir auch passieren? Das ich zu zögerlich bin? Ein „kleiner Feigling“?

Noch nichts verstanden

Doch das ist immer noch nicht alles! Jesus gibt den Jüngern einige Zeit später eine weitere Lehrstunde. Er bereitet sie darauf vor, dass er sie bald verlassen wird. Sie sollen sich deswegen aber bitte keine Sorgen machen. „Es läuft alles nach Plan. Nach meinem Plan!“, höre ich ihn fast sagen. Philippus versteht nur „Bahnhof“ – also gar nichts. Aber deswegen muss man ja nicht gleich den Mund halten! „Zeige uns einfach den Vater! Dann ist das alles schon in Ordnung. Das reicht uns.“, sagt Philippus zu Jesus.11 Daraufhin bringt es Jesus auf den Punkt: „So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater.“12

Wenn ich daran denke, dann haut es mich um. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen! Jetzt bin ich schon so lange mit Jesus unterwegs. Ich weiß, dass er Gottes Sohn ist. Genauer, ich habe verstanden, dass er GOTT, DER SOHN ist! Mit dem Kopf! Aber kenne ich ihn mit meinem Herzen? In diesem Augenblick fühle ich mich beschämt. Und irgendwie ganz klein. Kennst du das? Solche Momente, in denen dir Gottes Wort, ja Gott selber, etwas klar macht, was nicht gerade angenehm ist? In denen du plötzlich bemerkst, wie du wirklich bist? Das du dir schon eine ganze Weile ziemlich was vorgemacht hast? Und deine blinden Flecken nicht gesehen hast?

Nur Sekunden später sagt dann Jesus diesen Satz (Und der gilt auch dem Philippus und damit wohl auch mir …): Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“13

Annahme

Nach all dem Versagen von Philippus steckt in diesen Worten für mich ganz viel Annahme und Gnade drin. Jesus liebt seine Jünger ohne wenn und aber. Es kommt ihm nicht darauf an, wie gut sie aus sich selbst heraus sind und ob sie alle Glaubensprüfungen mit Bravour bestehen. Er hat sich für sie entschieden. Genau so, wie er sich für mich entschieden hat.

Trotzdem fordert er seine Nachfolger heraus: „Mensch, vertrau mir doch endlich! Lege doch all deinen Glauben, auch wenn er noch so klein ist, in mich hinein. Setze dein Leben auf mich! Mach bitte keine halben Sachen – tue es ganz! Auf mich kannst du dich wirklich verlassen!“ So ermutigt er mich. So baut er mich auf. Und dann diese Verheißung! Ist das nicht wunderbar? Wenn ich zu ihm komme. Und wenn ich ganz nah an ihm dran bleibe. Wenn ich ihn bitten werde. Dann wird er nicht nur einfach zuhören. Nein, dann wird er auch handeln. In Vollmacht. In Kraft. Dann ist alles möglich! Weil er mein GOTT ist!

Zur Vertiefung

1. Was denkst du, wieso Philippus so von Jesus begeistert ist?

2. Was bedeutet das hebräische Wort „Messias“? Wie lautet es auf griechisch? Wen bezeichnet es? Warum warten die Juden noch heute auf den Messias?

3. Bist du auch ein Philippus? In welcher Hinsicht gleichst du ihm? Wo siehst du Unterschiede?

4. Wie könnte dein Glaube besser „vom Kopf ins Herz rutschen“? Was müsste passieren, damit du Jesus auch im Alltag noch mehr vertraust?

1 vgl. Matthäus 4, 12 f.
2 Johannes 1, 43
3 Johannes 1, 45
4 5. Mose 18, 18
5 Micha 5, 1
6 vgl. Johannes 1, 46
7 vgl. Johannes 6, 5
8 vgl. Johannes 6, 7
9 vgl. Johannes 12, 21
10 vgl. Johannes 12, 22
11 vgl. Johannes 14, 8
12 Johannes 14, 9
13 Johannes 14, 14

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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Eine Antwort

  1. La Ra sagt:

    Sehr ermutigend, danke fürs teilen!

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