Sündig gerecht?

Lesezeit: 4 Minuten

Was, du sündigst noch?

Schon so lange Christ und immer noch nicht sündlos? Wie kann das denn sein? Quälen dich auch solche und ähnliche Fragen? Im folgenden Artikel helfe ich dir, dieses Thema besser einzuordnen Dies ist der erste Schritt, um aus diesem Loch rauszukommen!

(vgl. zum Folgenden 1. Johannes 1, 7 bis 2, 2 sowie 1. Johannes 3, 3 – 10)

Noch an die Kette gelegt?

Christen leben nicht mehr unter der Macht und dem Prinzip der Sünde. Als Christen sind wir neuge­boren, eine neue Schöpfung. Dennoch leben wir noch in unserem „al­ten“ Körper und in der alten, ge­fallenen Welt. Wir müssen nicht sündigen. Aber wir können es noch. Wir sind keine Sklaven der Sünde mehr. Dennoch sind wir weiterhin in der Lage, Sün­den und Verfehlungen zu begehen. Wir sind also trotz Wiedergeburt weit weg davon perfekt zu sein.

Wenn wir behaupten würden, wir wären als Chris­ten völlig ohne Sünde, wir könnten ja jetzt gar nicht mehr sündigen, dann ist das schlicht nicht wahr. Wir würden uns selbst etwas vormachen und uns betrügen. Johan­nes geht so weit, dass er sagt, dass dann die Wahrheit nicht in uns ist. Wenn die Wahrheit aber nicht in uns ist, dann ist die Lüge in uns. Damit wäre die Echtheit unseres Christsein fragwürdig.

Echte Christen können also auch weiterhin in ihrem Le­ben fehlgehen und sündigen. Und sie tun es auch! Natür­lich ist das nicht schön. Wenn du fest­stellst, dass du ge­sündigt hast, macht dich das ver­mutlich traurig. Du möch­test möglicherweise beina­he verzweifeln. „Ich bin doch ein Christ. Wie kann ich bloß so etwas tun!“, magst du ausru­fen. Du be­zweifelst eventuell sogar, ob du überhaupt ein Christ bist.

Gerettet – auf jeden Fall

Aber, Gott sei Dank, das ist nicht das Ende dei­nes Glaubens. Wenn du Jesus deine Schuld und Sün­de be­kennst, dann ist er dir gnädig. Er ist treu und gerecht. Jesus vergibt dir gerne. Er reinigt dich von dei­ner Schuld. Das ist wie Balsam auf der Seele. Jesus gibt dir wieder Frieden im Herzen. Das schlechte Ge­wissen muss dich jetzt nicht mehr quälen. Du hast ihm dein Herz geöffnet und ihm dei­ne Schuld offen­gelegt. Und er macht dich wieder heil. Du magst das nicht sogleich fühlen. Aber das ist die biblische Wahrheit, auf die du bauen kannst.

Jesus ist ein für alle Mal am Kreuz für deine Schuld ge­storben. Für die Sünde von gestern, die Schuld von heute und für deine Verfehlungen von morgen. Jeder Mensch, der das von Herzen annimmt und darauf vertraut, ist da­mit – auch ein für alle Mal – gerettet. Das bedeutet, dass die Sünde, die du heute oder morgen begehen magst, nicht automa­tisch dein Christsein, deine Zugehörigkeit zu Gott und deine Errettung in Frage stellt. Trotz Neugeburt sind wir noch nicht vollendet. Das werden wir später sein, wenn wir in die Ewigkeit Gottes eingehen. Dann, wenn wir immer bei ihm sein werden. Aber jetzt noch nicht. Jetzt sind wir noch nicht völlig sünd­los.

Unterwegs auf staubigen Straßen

Darüber hinaus bewegen wir uns heute noch in dieser Welt. Wir sind bildlich gesprochen auf einer staubigen Straße unterwegs. Aus Gottes Sicht sind wir durch Jesus Opfertod und seine Auferstehung völlig rein, heilig, unbe­fleckt und haben das neue Le­ben. Aber durch unser Leben in dieser Welt werden unsere Füße immer wieder staubig und dreckig. „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johan­nes 1, 9)

Und dafür haben wir einen Beistand bei Gott. Dieser Bei­stand ist Jesus Christus, der sich beim Va­ter für uns verwendet, uns wieder reinigt und uns sozusa­gen die „staubigen Füße wäscht“. Als Christ bist du bereits ganz rein gewaschen worden. Aber ab und zu ist es nötig, dass dir die staubigen Füße von Jesus gewaschen werden. Das ist die gute Botschaft der Begebenheit von der Fußwa­schung, die uns Jo­hannes in seinem Evangelium überlie­fert hat!1

Christen haben es immer wieder nötig, mit ihren Ver­fehlungen zu Jesus zu kommen und ihm ihre Schuld zu be­kennen. Echte Christen erkennen und leben das. Wenn du also eine Schuld auf dich gela­den hast, dann tritt im Gebet vor Jesus. Schütte ihm dein Herz aus und bekenne deine Sünde. Auch wenn es bereits so oft passiert ist und du dich schämst, schon wieder mit der gleichen oder einer ähnlichen Sache zu ihm zu kommen. Mache es unbedingt! Je­sus ist treu und gerecht! Er vergibt gerne! Und er reinigt dich von deiner Schuld! Darauf, und nur dar­auf kannst du dich verlassen!

Deine Aufgabe

Ein wahrer Christ wird aber auf keinen Fall weiter und dauerhaft in der Sünde leben und darin verhar­ren wollen. Sobald er erkennt, dass er in bestimmten Bereichen noch in Schuld, Sünde und Unordnung lebt, wird er dies bereini­gen und ändern wollen. Ein sündiges Leben und der Glau­be an Gott passen ein­fach nicht zusammen.2 Deswegen wird ein Christ alles daran setzen, mit Gottes Hilfe sein Le­ben an dieser Stelle zu verändern. Insofern ist es unsere Aufgabe und Verantwortung unser Leben zu reini­gen.3 Dies kann z.B. bedeuten, dass wir schlechte Gewohnheit­en und Interessen aktiv aufgeben. Wir haben Christi Ge­rechtigkeit bekommen. Durch sei­nen Tod und seine Aufer­stehung stehen wir – in ei­nem „juristischen“ Sinne – vor Gott gerecht da. Da­her sollen wir nun auch ge­recht leben oder, anders formuliert, diese Gerechtigkeit in unserem Lebensstil und in der Art, wie wir leben, ausdrü­cken.4

Wort und Tat

Das Christsein hat ganz praktische Konsequenzen und Folgen. Zeigt sich dein Glaube etwa nur in deinen Worten und in dei­nem Bekenntnis? Fehlen dagegen die sichtbaren Fol­gen in deiner Lebensführung? Dann kann es sein, dass dein Glaube in Wahrheit leider nur ein Lippen­bekenntnis ist. Dann wiegst du dich eventu­ell mit ei­nem falschen Christenstand in Sicherheit. Als Chris­ten sind wir aufgefor­dert, unserem Glauben Taten fol­gen zu lassen.5 Insofern ist das Christsein also nicht pas­siv. Sich einfach hinzuset­zen und darauf zu warten, dass Gott alles in meinem Le­ben richtet und in Ordnung bringt, gilt nicht! Das Christ­sein ist etwas Aktives! Lass uns also anfangen, „Täter des Wortes“ zu werden!

(Weitere Aspekte zum Thema bzw. eine kleine Fortsetzung dazu findest du unten in den Kommentaren sowie in den Beiträgen “Stopp es!” und “Sicher!”.)


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Zur Vertiefung

  1. Welche Rolle spielen Sünde, Schuld und Vergehun­gen im Leben eines gottlosen Men­schen bzw. bei Christen? Worin liegen Unter­schiede? Warum hat auch ein Christ noch mit Sünde zu kämpfen? Stel­len Sünden, die er heute oder mor­gen begeht, sein gesamtes Christsein in Frage?
  2. Wie kannst du mit Sünde umgehen, wenn sie dir bewusst wird? Wie sieht es mit „Wiedergutma­chung“ aus?
  3. Was bedeutet es „gerecht“ zu leben? Wie kannst du ein „Täter des Wortes“ werden (Jakobus 1, 22)?

1 vgl. Johannes 13, 1 – 9; insbesondere Vers 10
2 vgl. 1. Johannes 3, 6
3 vgl. 1. Johannes 3, 3
4 vgl. 1. Johannes 3, 7
5 vgl. 1. Johannes 3, 18 und Jakobus 1, 22 – 25

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

[Auszug aus dem Buch “Gefunden! Glauben. Leben. Hoffnung.” siehe auch bibelesewelt.de/buecher/ ]


Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Allein die Tatsache, dass Gott durch die Bibel zu uns spricht, sollte uns motivieren neugierig zu werden und uns mit ihr zu beschäftigen.“

„Gott will, dass dein Leben gelingt! Dies zu entdecken wird das Beste sein, was dir je passieren kann!“

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4 Antworten

  1. Bibelleser sagt:

    Hier noch ein paar zusätzliche Hinweise zu diesem Artikel: Jesus befreit uns von der Herrschaft und Macht der Sünde, von der Befleckung und Beschmutzung durch die Sünde sowie von der Konsequenz der Sünde, sprich von der ewigen Verdammnis. Insofern sind wir als Christen tatsächlich “frei von der Sünde”. Andererseits war und ist es eine Realität für Gläubige, dass sie ein Leben lang gegen die Sünde anzukämpfen haben. Die neutestamentlichen Briefe mit ihren vielfältigen Anweisungen und Ermahnungen zeugen davon. Wenn der Mensch nach seiner Bekehrung völlig sündlos leben könnte/würde, bräuchten wir diese Belehrungen der Apostel nicht. Der Gläubige ist aber weiterhin in dieser Welt unterwegs, in seinem irdischen Leib. Er hat weiterhin mit seiner “fleischlichen” Natur zu tun. Seine Aufgabe ist es, Sünde in seinem Leben nicht zu dulden, sondern sie abzulegen. In dem obigen Beitrag habe ich versucht, dies ausgewogen zu erläutern und die Sünde nicht zu verharmlosen. Vielleicht ist darüber hinaus der folgende Link hilfreich: https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=484

  2. Bibelleser sagt:

    Da dieses Thema so wichtig ist, gebe ich noch einige ergänzende Überlegungen weiter: In der Kirchengeschichte wurde und wird immer wieder mehr oder weniger intensiv darum gerungen, darüber diskutiert und teilweise auch gestritten, welche Bedeutung dem Gesetz und der Sünde im Leben eines echten Christen zukommen. In Bezug auf die Sünde lauten zum Beispiel einige “Extrempositionen” – laienhaft ausgedrückt – : “Ein echter Christ kann einfach gar nicht mehr bzw. wird nicht/nie mehr sündigen.” oder “Es ist egal, ob ein echter Christ sündigt oder nicht. Er steht ja nicht (mehr) unter dem Gesetz sondern unter der Gnade.” oder “Ein echter Christ muss sich nur genügend anstrengen und sehr diszipliniert leben. Wenn er das sehr gewissenhaft tut, kann und wird er bald einen Lebensstil und ein Niveau erreichen, den bzw. das man zu Recht als ‘vollkommen sündlos’ bezeichnen kann.” Ohne diese sehr unterschiedlichen Positionen jetzt im Einzelnen näher zu behandeln, möchte ich betonen, dass ich keine dieser Formulierungen für zutreffend halte. Ich bin Gott vielmehr sehr dankbar dafür, dass in seinem Wort diese Themen sehr ausführlich und ausgewogen behandelt werden. In diesem Zusammenhang denke ich insbesondere an die Bibelstellen Römer 6 und an den 1. Johannesbrief 1, 7 bis 2, 2 sowie 1. Johannesbrief 3, 3 – 10, über die ich gerne noch weiter nachsinnen möchte. Vielleicht ist es darüber hinaus auch hilfreich zu erwähnen, dass die sogenannte Heiligung, zu der uns Gottes Wort auffordert, ein (lebenslanger Lern-/Veränderungs-) Prozess und nicht ein einmaliges, zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossenes Ereignis ist. Zu diesem Punkt fällt mir auch Römer 12, 1 + 2 ein.

  3. Bibelleser sagt:

    “So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam. 13 Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit.” (Römer 6, 12 f.)
    und
    “Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.” (Römer 12, 1 f.)
    Ich verstehe dies als Aufgabe, der wir uns als Christen (lebenslang) zu stellen haben. Das fällt uns nicht einfach in den Schoß.
    Werden wir verdammt und von Gott verstoßen, wenn uns das nicht zu jeder Zeit und 100%-ig gelingt? Nein, denn: “So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.” (Römer 8,1).
    Die uns als Vorbilder in Hebräer 11 vor Augen gestellten Menschen, wie z.B. Abraham, Mose, David, waren alles andere als perfekt.
    Auch Paulus, Barnabas und Petrus, deren Christsein wir wohl kaum ernsthaft in Zweifel ziehen wollen, waren es nach ihrer Bekehrung und Wiedergeburt nicht (vgl. z.B. Galater 2, 11 ff; Apg. 15, 39).
    Gut, dass wir mit unserem Versagen zu Jesus kommen dürfen: “Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.” (1. Johannes 2, 1).
    So sehe ich es. Dies nur als weitere Ergänzung zu meinem Beitrag und den vorherigen Kommentaren.

  4. Bibelleser sagt:

    Hier noch ein kurzer Fragen & Antworten-Katalog:
    1. Ist ein Mensch nach seiner Wiedergeburt perfekt, d.h. führt er ein zu jeder Zeit und im vollen Umfange vorbildliches Leben? Nein (,leider nicht).
    2. Kann ein echter Christ sündigen? Ja.
    3. Wird ein echter Christ sündigen? Ja, leider kommt das (mehr oder weniger häufig bzw. gelegentlich) vor. Weil er eben nicht perfekt ist (siehe 1.)
    4. Möchte ein echter Christ sündigen? Nein, auf keinen Fall. Im Gegenteil, er möchte das ja gerne vermeiden und ein heiliges Leben führen.
    5. Was ist, wenn ein echter Christ sündigt?
    a) Verliert er dann (automatisch) sein Heil und geht verloren? Nein, er ist und bleibt ein Kind Gottes.
    b) Kann das Versagen denn wieder in Ordnung gebracht werden? Ja, wir können mit unserem Versagen zu Jesus kommen und um Vergebung bitten. ER ist gnädig und wird uns vergeben.
    c) Was ist, wenn der Christ gar nicht bemerkt hat, dass er gesündigt hat? Verliert er dann (möglicherweise auch völlig unbemerkt) auch sein Heil und seinen Status als “Kind Gottes”? Nein, allerdings ist damit zu rechnen, dass der Heilige Geist ihm zur rechten Zeit die Augen öffnet und dann 5b) folgen sollte.
    d) Was ist, wenn ein Christ beharrlich in Sünde lebt und nicht davon lassen will? Dann, fürchte ich, ist es tatsächlich sehr fraglich, ob die Bekehrung und Wiedergeburt desjenigen echt ist. Diese Person sollte ihren Christenstand sehr kritisch hinterfragen.
    6. Was ist mit den Gläubigen des AT? Auch für ihre Schuld ist Jesus gestorben.

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