Wie reagierten damals die Menschen auf Jesus?

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Zustimmung oder Ablehnung?

Jesus öffentliches Wirken war in vielerlei Hinsicht aufsehenerregend. Viele Menschen wurden neugierig und strebten danach Jesus kennen zu lernen, ihm zu begegnen, ihn zu sehen und zu hören. So zog er viele Menschen an. Sobald Jesus in der Nähe war, strömten alsbald viele Leute herbei. Manchmal versammelten sich Menschenmengen sogar weit außerhalb von Ortschaften, um Jesus zu erleben. Dabei erntete Jesus allerdings natürlich nicht nur Zustimmung und Begeisterung. Im Gegenteil, er stieß auch auf erhebliche Vorbehalte, Ablehnung, Widerstand, Feindschaft und Hass. Um dies besser zu verstehen, wollen wir dem nun nachgehen.

Familie und Jünger

Über Josef, den (Stief-)Vater Jesu, lesen wir im späteren Verlauf der Evangelien nichts mehr. Maria, seine Mutter, hält zu ihrem Sohn und folgt ihm nach. Sie wird sogar Zeugin seiner Kreuzigung (Johannes 19, 25 – 27). Jesus hatte auch mehrere (Halb-)Brüder. Sie hießen Jakobus, Joses, Judas und Simon. Außerdem gab es wohl mehrere Schwestern (vgl. Markus 6, 3).

Seine Brüder waren ihm gegenüber zunächst sehr skeptisch und glaubten nicht an ihn (vgl. Johannes 7, 3 – 5). Später kam jedoch Jakobus zum Glauben und zählte zu den Aposteln (vgl. Galater 1, 19). In der jungen Gemeinde war er neben Petrus und Johannes einer der drei wichtigsten Führungspersönlichkeiten (vgl. Galater 2, 9). Sein Bruder Judas wandte sich ebenfalls später Jesu zu; er gilt als der Verfasser des Judasbriefes (vgl. Judas 1, 1).

Von seinen 12 Jüngern blieben ihm, soweit wir es wissen, bis auf Judas Iskariot, der ihn an die führenden Juden verriet, alle treu.

Das Volk daheim …

In seiner Heimatstadt Nazareth, in der er groß geworden war, ärgerten sich die Menschen über ihn und seine Botschaft (vgl. Markus 6, 3). Sie wurden darüber so wütend, dass sie ihn die Stadt hinaus stießen und bis an den Rand des Berges führten, auf dem Nazareth erbaut war, um ihn hinab zu stoßen (vgl. Lukas 4, 28 – 29).

In Kapernaum, dem Ort, in dem sich Jesus später niedergelassen hatte, sowie in den umliegenden Ortschaften Galiläas, hatte Jesus intensiv gelehrt, gepredigt und viele Wunder vollbracht. Dies führte jedoch offenbar dort nur bei relativ wenigen Menschen zu Buße und Umkehr, sodass Jesu Weherufe über die Städte Chorazim, Betsaida und Kapernaum ausrief (vgl. Lukas 10, 13 – 15).

… und anderswo

Das einfache Volk war zunächst von Jesus begeistert. Hierzu trug mit Sicherheit auch bei, dass Jesus viele Menschen heilte und reihenweise Wunder vollbrachte.  Zwischenzeitlich wandten sich jedoch auch wieder viele, die ihm bereits einige Zeit nachgefolgt waren, von ihm ab (vgl. Johannes 6, 66). Als Jesus einige Tage vor seiner Gefangennahme nach Jerusalem kam, bereitete ihm eine Menschenmenge einen königlichen Einzug und rief  “Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!” (Matthäus 21, 9). Nur eine Woche später schrie das Volk “Kreuzige ihn!” (vgl. Markus 15, 11 – 15).

Dies zeigt in aller Kürze wie schwankend das Volk in Bezug auf die Anerkennung Jesu war.

Die führenden Männer

Trotz römischer Herrschaft hatten die Juden noch eine relativ große Freiheit gemäß ihrer Kultur, ihrer Tradition und Gebräuche sowie ihrer Religion zu leben. Die Römer ließen ihnen darüber hinaus das Recht ihre Angelegenheiten weitgehend selber zu regeln. Dies geschah vor allem durch den Sanhedrin (= Rat oder Versammlung) in Jerusalem, den obersten Rat der Juden, denen 71 Mitglieder angehörten. Den Vorsitz des obersten Rates hatte der Hohe Priester. Der Sanhedrin war ein politisch-religiöses Gremium. Er bestand aus Ältesten, Priestern und Schriftgelehrten, die teilweise den Pharisäern oder den Sadduzäern, den zwei mächtigsten jüdischen Sekten oder Parteien, angehörten. Der Sanhedrin oder oberste Rat tagte regelmäßig im Tempelbezirk und befasste sich mit Themen und Rechtsfällen von höchster Wichtigkeit.

In jeder größeren Stadt Judäas gab es außerdem noch einen Sanhedrin, der aus 23 Mitgliedern bestand, und sich u.a. mit Fragen, Streitigkeiten und Rechtsfällen von regionaler und geringerer Bedeutung befasste. Darüber hinaus erwähnt die Bibel noch die Anhänger des Herodes, die offenbar auf politischer Ebene ebenfalls einen erheblichen Einfluss hatten.

Konflikte

Jesus predigte und lehrte mit Vollmacht und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Er ließ auch keine besondere Rücksichtnahme auf den Status, die Privilegien und Vorrechte sowie auf die Autorität der führenden Männer erkennen. Er versuchte einerseits sie oder Einzelne von ihnen für sich und seine Botschaft zu gewinnen (vgl. z.B. Johannes 3), andererseits kritisierte er bei verschiedenen Gelegenheiten ihr Denken, ihre Lehren, ihre Traditionen und ihr Handeln.

Mehr als einmal erregte Jesus auch durch ungestümes Auftreten im Tempel, z.B. bei der Tempelreinigung (vgl. Johannes 2, 13 – 22), Aufsehen und Verärgerung bei den Juden und ihren Anführern. Zwischen diesen führenden Männern und Jesus kam es daher immer wieder zu Unterredungen, Diskussionen, heftigen Auseinandersetzungen und Konflikten. So stritten sie z.B. über die Einhaltung des Sabbats, was für die Juden ein wichtiger Punkt war. Für die Anführer der Juden wurde Jesus daher bereits sehr bald nach Beginn seines öffentlichen Auftretens zu einem gefährlichen Störenfried, der aus ihrer Sicht ein Irrlehrer war sowie vor allem ihre politisch-religiöse Macht und hervorragende Stellung in Frage stellte und ernsthaft bedrohte. Daher entstand schon sehr früh bei ihnen der Wunsch, Jesus aus dem Weg zu räumen – zur Not mit Gewalt (vgl. z.B. Markus 3, 6)!

Könige …

Zur Zeit Jesu regierte in Israel unter der Oberherrschaft des römischen Weltreichs die Dynastie des Herodes des Großen. Herodes war kein Jude, sondern ein Idumäer, d.h. ein Nachkomme der Edomiter, die ein Brudervolk Israels waren. Die Herrschaft des Herodes und seiner Nachkommen war geprägt von Gewalt, Intrigen, Unmoral und vielerlei Bosheit (vgl. Maier 1994: Seite 241 ff.). Das Auftauchen der Weisen aus dem Morgenland im Verbund mit den Nachforschungen in den heiligen Schriften erschreckten Herodes sehr. Die Nachricht, dass mit Jesus der neue König der Juden geboren war, veranlasste ihn, alle Jungen bis zum Alter von 2 Jahren in der gesamten Gegend von Bethlehem töten zu lassen (vgl. Matthäus 2, 16 – 18).

Später war sein Sohn, Herodes Antipas, der Landesfürst von Galiläa, einerseits sehr interessiert Jesus kennenzulernen. Andererseits war er über Jesus beunruhigt und versuchte offenbar ihn loszuwerden (vgl. Lukas 9, 7 – 9; Lukas 13, 31). Bei dem Verhör Jesu durch Herodes kurz vor seiner Verurteilung durch Pilatus hatte Herodes Antipas schließlich nur noch Spott und Verachtung für Jesus übrig (vgl. Lukas 23, 11).

… und Statthalter

Der Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, hatte wenig persönliches Interesse an Jesus. Sein Denken und Handeln war vor allem durch politisches Kalkül bestimmt. Jesus, den die führenden Juden zum Gericht und zur Verurteilung an ihn überliefert hatten, war ihm einfach nur lästig und er wollte die Angelegenheit so schnell und geräuschlos wie möglich erledigen bzw. wegschieben. Obwohl er schnell erkannte, dass Jesus nicht den Tod verdient hatte und von den Hohen Priestern nur aus Neid angeklagt wurde (vgl. Markus 15, 10), gab er am Ende dem beharrlichen Drängen der führenden Juden und des von ihnen aufgestachelten Volkes nach. Er sorgte und fürchtete sich vor einem möglichen Tumult oder einem Aufstand, die er um jeden Preis vermeiden wollte. Daher wusch er seine Hände vor den Augen aller in Unschuld und ließ Jesus anschließend wider besseren Wissens foltern und kreuzigen (vgl. hierzu z.B. Lukas 23, 1 – 25 u. Matthäus 27, 24).

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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