Mörder!

Lesezeit: 4 Minuten

Was in uns steckt.
Wozu wir fähig sind.

Photo by Jr Korpa on Unsplash

Als die Menschen den vormals Gelähmten vor Freude und mit Gotteslob auf den Lippen im Tempelbezirk herum springen sehen, stockt ihnen förmlich der Atem. „Ist das nicht der Mann, der täglich vor das Tor des Tempels getragen wird, um dort zu betteln?“, sprechen sie untereinander und blicken sich gegenseitig ungläubig an.

„Und – wer sind eigentlich die beiden Männer, die dort bei ihm sind?“, wundern sie sich und laufen alle zusammen, um genauer zu schauen, was dort eigentlich los ist.

„Was seid ihr denn so erstaunt? Glaubt ihr etwa, wir hätten diesen Mann aus eigener Kraft geheilt, sodass er gehen kann?“, ruft Petrus ihnen zu.

„Wer denn sonst?“, ist jetzt auf ihren Gesichtern zu lesen, „Außer euch kommt ja wohl keiner in Frage!“

Die Leute sind völlig blind für das Wirken Gottes. Sie sehen nur das, was vor Augen ist. Zwar sind sie wieder einmal im Tempel – weil es ihre Gewohnheit ist – aber damit haben sie nicht gerechnet. Regelmäßig kommen sie zum Haus des lebendigen Gottes, um zu beten und ihre Opfergaben zu bringen, aber das Gott hier etwas bewegt – nein, nein, da bleibt ihnen regelrecht die Spucke weg!

Ich frage mich gerade, wie wir ins Gebet oder in den Gottesdienst gehen. Erwarten wir da etwas von Gott: Trost, Ermutigung, eine Antwort oder gar – ein Wunder? Wären wir nicht auch ziemlich erschrocken, wenn sich da etwas ganz Fantastisches tun würde – etwas, das unser Leben völlig verändern würde wie bei diesem Gelähmten?

Vorher war er völlig hilflos und auf Almosen angewiesen. Sein Alltag war öde, immer nur da zu sitzen und zu betteln. Keine Hoffnung und Perspektive – ach, wie trostlos. Aber jetzt kann er gehen, er strahlt vor Freude und Dankbarkeit!

„ … aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet.“ (Apostelgeschichte 3,15)

Wow, Petrus schont seine Zuhörer nicht! Er kommt direkt auf den Punkt. Zielstrebig, schonungslos, ohne Weichspüler!

„Darf man so etwas überhaupt sagen?“, fragen wir jetzt. „So etwas gehört sich doch nicht! Das kann man doch nicht machen!“ „Gefährlich, verdammt gefährlich!“ oder „Religiöser Fanatiker, Fundamentalist!“, höre ich den ein oder anderen schon rufen. Wäre jemand, der so redet, heute überhaupt tragbar – als Pastor oder an anderer verantwortlicher Stelle?

Diese Aussage von Petrus aber ist nicht etwa ein Ausrutscher, ein unüberlegter Halbsatz im Eifer des Gefechts. Nein, ganz und gar nicht! Das war schon zu Pfingsten sein Thema: „ … diesen Mann … habt ihr durch die Hand der Ungerechten ans Kreuz geschlagen und umgebracht.“1 Und Petrus schreckt später auch nicht vor den Obersten des Volkes zurück: „Im Namen Jesu Christi, von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt …“2, schleudert er ihnen ins Gesicht.

Jesus – das ist der Mann, dessen Name Petrus über den Gelähmten an der Schönen Pforte ausruft, in dessen Vollmacht er geheilt wird und jetzt wieder gehen kann.

Jesus – das ist der Mann, der in seinem Leben nur Gutes getan hat. Er hat den Menschen Gottes froh machende Botschaft gebracht, er hat Kranke geheilt und viele Wunder gewirkt. Er hat keinem etwas Böses zu Leide getan und, anders als wir, niemals gesündigt. Nicht in Worten und Taten, ja nicht einmal in Gedanken.

„Erkennt ihr eigentlich, was ihr getan habt?“, ruft Petrus den Leuten zu. „Ihr habt Jesus, den Gott berufen hat, den Heiligen und Gerechten, Pilatus, dem römischen Statthalter, in die Hände gespielt und falsche Anklagen gegen ihn erhoben. Und als Pilatus ihn für unschuldig befunden hatte und freigeben wollte, da habt ihr seinen Tod verlangt und lieber die Freilassung des Mörders Barabbas erbeten! Ihr habt den Fürsten des Lebens getötet!“3

Petrus legt den Finger auf die Wunde. Genau hier zeigt sich der Abgrund unserer menschlichen Existenz, unser eigentliches Problem. Der Einfluss des Bösen und unsere Trennung von Gott.

Jesus ist der Fürst des Lebens oder der Prinz des Lebens, wie es die englische King James-Übersetzung ausdrückt. Warum? Weil er gekommen ist, um die Kluft zwischen Gott und den Menschen zu überwinden. Er hat unsere Schuld auf sich genommen und ist dafür am Kreuz gestorben. Durch Jesus sind wir reingewaschen von unseren Sünden und können Gemeinschaft mit Gott haben. Er hat dafür die Voraussetzung geschaffen, dass wir Kinder Gottes werden und ewiges Leben haben können. Gleichzeitig war Christus am Anfang der Welt, bei der Schöpfung aktiv und hat alles Leben erschaffen.4 Deswegen ist es auch völlig richtig, dass sich „Fürst des Lebens“ auch als „Anfänger, Urheber, Begründer des Lebens“ oder als „Führer zum Leben“ übersetzen lässt.5

„Ihr seid benutzt worden. Das ist mir klar. Ihr und eure Obersten habt das alles aus Unwissenheit getan!“, erklärt Petrus.6 Genau so ist es! Der Teufel, dieser Satan war hier am Werk. Er hatte sie verführt und für seine Zwecke instrumentalisiert und missbraucht.7 Anders ist es wohl auch kaum zu erklären, warum alle Jesus, der nur Gutes getan hatte, unbedingt loswerden wollten.

Der Böse hatte sich jedoch verrechnet. Das Opfer Jesu am Kreuz war kein Zufall, kein Unglück, das einfach so passiert ist. Mitnichten! Denn genau das gehörte zu Gottes Plan!8 Gott selbst hatte sich das ausgedacht. In Jesaja 53, 10 steht: „Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.“

Unglaublich, nicht wahr? Aber genau das zeigt, dass Gott auch in dieser schrecklichen Situation auf dem Hügel Golgatha, in der das Böse seine schreckliche Fratze zeigt, Herr des Geschehens ist. Ja, der Teufel hat eine große Macht. Aber Gott ist stärker! Satan merkt im Moment seines vermeintlich größten Sieges über Gott nicht, dass er in Wirklichkeit mit dazu beiträgt, dass am Ende Gott über ihn triumphiert! In Kolosser 2, 15 heißt es daher: „Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.“

Genau deswegen ist der Tod des Fürsten des Lebens, dieser Prinzenmord, das größte Ereignis der ganzen Weltgeschichte. Dieses an sich furchtbare Ereignis soll für dich und mich der größte Segen sein. Genau darum gilt uns auch heute der Aufruf des Petrus: „Tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden, (20) auf dass Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn und er den sende, den er für euch zum Christus bestimmt hat: Jesus.“9

Kannst du das begreifen? Verstehst du, was das bedeutet? Du bist jetzt gefragt. Gott stellt dich heute vor eine Entscheidung. Wähle doch das Leben, ewiges Leben!


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1 Apostelgeschichte 2, 23
2 Apostelgeschichte 4, 10
3 vgl. Apostelgeschichte 3, 13 f.
4 vgl. Kolosser 1, 16
5 vgl. Anmerkungen zu Apostelgeschichte 3, 15 in der Elberfelder sowie in der Menge Bibel
6 vgl. Apostelgeschichte 3, 17
7 vgl. z.B. Epheser 2, 2
8 vgl. Apostelgeschichte 3, 18
9 Apostelgeschichte 3, 19 f.

Bibelverse zitiert aus:
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gott ist immer für Überraschungen gut – in positivem Sinne – ER macht Unmögliches möglich!”

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Eine Antwort

  1. Günter Romer sagt:

    aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet.“ Das darf und sollte jedem der sich zu Christus und Gott bekennt immer wieder vor Augen und Ohren gehalten werden. Wir sind nicht dadurch, dass wir uns zur christlichen Gemeinschaft bekennen, vor Schuld und Gräueltaten gefeit und schon gar nicht befreit. Unser ganzes Leben lang nicht! Sonst würde die gegenwärtige Welt anders aussehen.

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