Durchblicken!

Lesezeit: 5 Minuten

Was, bei dir läuft’s nicht?

Machst du gerade einen etwas orientierungslosen Eindruck? Hoffentlich hat das noch keiner bemerkt! Aber – mal Hand auf’s Herz – wäre das echt so schlimm? In diesem Artikel erfährst du, worauf es wirklich ankommt.

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„Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht …“
(Johannes 13, 7)

Wenn ich in meinen Alltag hineinschaue, dann sind mir manche Ereignisse ein Rätsel. Warum sich die eine oder andere Situation oder Wendung ergeben hat, kapiere ich einfach nicht. Warum dieses Problem oder diese Schwierigkeit? Wieso dieser Ärger oder der Streit? Warum dieser kleine Unfall oder der peinliche Moment da eben? Wieso konnte ich meinen Plan nicht durchziehen? Warum ging dieser besondere Wunsch nicht in Erfüllung? Weißt du, auch rückblickend – mit ein wenig Ruhe zum Nachdenken – kann ich diese Fragen nicht wirklich eindeutig beantworten. Aber schön, dass einer alle Antworten auf diese Fragen weiß: Jesus!

Keine große Sache?

Jesus hat ja oft ganz außergewöhnliche Dinge angestellt. Die Hammer-Story von Jesus, die mir in diesem Zusammenhang einfällt, hat sich nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Hinterzimmer eines Hauses in Jerusalem ereignet. Ein paar Tage vor dem Passahfest. Genau, vor DEM Passahfest! Die Ereignisse der Gefangennahme von Jesus, seiner Verurteilung und Kreuzigung stehen unmittelbar bevor.

Jesus steht nach dem Abendessen auf und bindet sich eine Schürze um. Dann gießt er Wasser in eine Schüssel. Die Jünger fangen an sich zu wundern. „Was hat er denn jetzt bloß wieder vor?“, fragen sie sich. Jesus kniet sich vor einen von ihnen hin und beginnt ihm die Füße zu waschen. Absolute Stille im Raum. Keiner sagt etwas. Nur das Plätschern des Wassers ist zu hören.

Die Jünger sind verwirrt. Sie schauen zu Jesus hin, sehen sich daraufhin gegenseitig an. Dann fallen die Blicke wieder auf Jesus. Wenn du jetzt genau in ihre Gesichter blickst, siehst du dort alles. Erstaunen, Verwunderung, Unverständnis, Entsetzen, Widerspruch und Protest. „Das kann nicht wahr sein! Das kann – nein, das DARF er nicht machen!“ schießt es ihnen durch den Kopf. „Er ist doch der Meister und wir seine Schüler!“ Das Waschen der Füße der Herren oder der Gäste ist eine niedrige Arbeit. Die Aufgabe eines Dieners. Nicht aber eine Tätigkeit für einen Mann wie Jesus. Das denken sie. Aber keiner traut sich etwas zu sagen. Und so bleibt es eine Weile ganz still. Jesus trocknet die gewaschenen Füße des ersten Jüngers ab. Dann wendet er sich dem Nächsten zu. Keiner rührt sich. Alle sind starr, wie eingefroren.

Auf keinen Fall!

Schließlich kommt die Reihe an Petrus. „Herr, DU willst MIR die Füße waschen?“ Petrus erschrickt beinahe selber als er die Worte hört, die aus ihm heraus sprudeln. „Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; aber später einmal wirst du es begreifen!“, antwortet Jesus.1 „Das geht nicht! Du sollst mir nicht die Füße waschen! Auf keinen Fall!“, protestiert Petrus lautstark. „Hör mal, Petrus“, erwidert Jesus ganz ruhig darauf, „wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir. Du hast dann keine Gemeinschaft mit mir.“ Das sitzt. Das kommt bei Petrus an. Und bringt ihn zum Umdenken!

„Nein, nein! Bloß das nicht! Wenn das so ist, Herr, dann wasche mir doch bitte nicht nur die Füße, sondern auch noch meine Hände und meinen Kopf!“, ruft er erschrocken aus. Da sagt Jesus zu ihm: „Wer gebadet ist, der ist bereits völlig rein. Ihm brauchen später nur noch die Füße gewaschen zu werden.“ Jesus sieht nachdenklich in die Runde seiner Jünger. „Ihr seid rein, aber nicht alle!“, sagt er dann, weil er weiß, dass einer von ihnen ihn verraten würde.

Was geht das mich an?

Je mehr ich über diese Geschichte nachdenke, umso besser kann ich sie mir vorstellen. Sie wird für mich lebendig. Ich sehe Petrus und die anderen Jünger vor mir. Mit großen Augen und offenem Mund als Jesus anfängt sich vor ihnen zu bücken, um ihnen die Füße zu waschen. Wie sie das alles nicht einordnen können. „Ich glaube, ich bin im falschen Film!“, höre ich den einen fast sagen.

Genauso fühle ich. Manchmal. An Tagen, an denen ich einfach nichts mehr verstehe. In Momenten, in denen Dinge passieren, mit denen ich nicht gerechnet habe. In denen ich mich frage: „Und was soll DAS jetzt?“ Dann begreife ich es nicht: Die Situation, die Beteiligten, das, was es mit mir macht. Ich fühle mich überfordert. Es spürt sich in solchen Augenblicken an wie ein „Muss das jetzt auch noch sein?“. Dann möchte ich Jesus gerne ganz viele Fragen stellen. Zum Beispiel Fragen wie „Warum passiert mir das gerade?“ oder „Wozu soll das gut sein?“ oder einfach nur „HERR, wo bist du?“.

Lernen tut (manchmal) weh

Doch jetzt – wo ich weiter über diese unglaubliche Situation in dem Hinterzimmer nachsinne – schallen mir Jesu Worte entgegen: „Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht …“. Ich stutze. Widerstand regt sich. Innerlich schreie ich auf: „Nein, HERR, ich will nicht!“ Natürlich möchte ich das alles verstehen! Aber gleichzeitig will ich aus dieser unmöglichen Lage heraus! Am besten den Film zurückspulen und diese Episode ersetzen. Durch eine bessere Variante! Durch einen angenehmeren Weg! Das würde mir schon sehr gefallen.

Aber Jesus lässt nicht locker: „ … wenn ich dich nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft mit mir!“ Ich beginne zu begreifen: Waschen, ohne nass zu werden, funktioniert nicht! Jesus muss etwas mit mir, oder vielleicht besser an mir tun. Damit aus mir der wird, der ich schon immer sein sollte. Aus Gottes Sicht. „Na, dann nicht nur die Füße! Dann bitteschön doch auch gleich die Hände und meinen Kopf!“ Petrus ist mir in diesem Moment sehr nahe. Besser hätte ich es jetzt auch nicht ausdrücken können. „Dann mache es doch gleich ganz richtig, Jesus! Bitte das komplette Programm!“, höre ich mich sagen. Und denke dabei insgeheim: „Dann habe ich es hinter mir. Und der ganze Stress hat sich wenigstens gelohnt.“

Doch Jesus führt Petrus – und damit auch mich – noch ein Stückchen weiter: „Wer gebadet ist, ist bereits völlig rein.“
Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Das Wesentliche hat Jesus bereits erledigt. An mir! Ich gehöre bereits völlig und ganz zu ihm. Durch seinen Tod am Kreuz hat er meine Schuld auf sich genommen. Ich bin ein Kind Gottes geworden. Und aus Gottes Sicht völlig rein und gerecht.

Vertrauen wagen

Jetzt gilt es mit IHM durchs Leben zu gehen und ihm zu vertrauen. Ihm völlig zu vertrauen. Wenn ich versage, stolpere und mich schmutzig mache, darf ich zu ihm kommen. Er wird mir die Füße waschen. Immer wieder. Ich darf ihm mein Versagen, meine Schuld und meine Sünde bekennen. Und ER wird mich davon reinigen und befreien.2

„Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht …“, höre ich ihn noch einmal sagen. Während meine Gedanken weiter darum kreisen, dringt nun auch der zweite Teil dieses Satzes Jesu in mein Inneres vor: „ … du wirst es aber später verstehen.“ Ich begreife. Ich kann Jesus vertrauen, auch wenn ich jetzt noch nicht alles einordnen kann. ER wird mich durch alle Stürme des Lebens führen. Und an das Ziel bringen. „Eines Tages wirst du alles ganz klar sehen – versprochen!“, klingt es in mir nach. Mein Herz wird ruhig. Dankbarkeit bereitet sich in mir aus. Wie große Wellen, die bei Flut den Strand erobern.

Hör mal, vielleicht geht es dir ja manchmal genauso. Es passieren blöde Dinge und du denkst: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein!“ Du bist völlig überrascht, enttäuscht, fühlst dich überrumpelt, verletzt oder bist einfach nur traurig. Du hast auch überhaupt keine Ahnung, wie du jetzt aus dieser Lage herauskommen sollst. Doch einer weiß es. Wirklich! Jesus. Jesus hat den Durchblick! Er ist bei dir. Ihm kannst du vertrauen. Er wird es gut machen.


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Zur Vertiefung

  1. Lies Johannes 13, 1 – 20. Warum wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße? Welche wichtigen Punkte möchte er ihnen beibringen?
  2. Wie würdest du dich fühlen, wenn du in dieser Situation an der Stelle der Jünger wärest? Würdest du genauso wie Petrus reagieren? Warum?
  3. Wie reagierst du, wenn sich deine Wünsche, Träume, Pläne oder Ziele nicht realisieren lassen oder gar von anderen regelrecht durchkreuzt werden? Welche Gefühle und Gedanken kommen dann in dir hoch? Wird dein Vertrauen oder deine Beziehung dadurch belastet? Wie könntest du gut damit umgehen?

1 vgl. Johannes 13, 7
2 vgl. 1. Johannes 1, 9

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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