Rot-weiß

Lesezeit: 4 Minuten

„Sage mir, bist du römischer Bürger?“ (Apostelgeschichte 22, 27)

Endlich war es soweit – wie hatte ich diesen Urlaub herbeigesehnt! Seit den Weihnachtsferien war eine lange Zeit vergangen und die Wochenenden und die paar Tage über Ostern hatten nicht ausgereicht, um den Kraftspeicher wieder zu füllen. Zu viel war geschehen …

Doch nun konnte es losgehen! Die Taschen waren gepackt und alles, was wir brauchten, lag gut verstaut im Kofferraum unseres Autos. Was uns allerdings ein wenig Sorgen bereitete, waren die Gewitter, die angesagt waren, und die von Norden rasch immer näher kamen.

Aber um vier Uhr nachmittags konnte ich meinen Arbeitsrechner schließlich herunterfahren und wir starteten. Noch strahlte die Sonne am Himmel. Tatsächlich fuhren wir allerdings den schweren Unwettern so gerade davon. Wir segelten sozusagen vorneweg gen Süden, denn nur eineinhalb Stunden später erreichten uns die ersten Whatsapp-Nachrichten und Fotos von Freunden, die uns von den sintflutartigen Regenfällen und dem schweren Hagel berichteten, die unsere schöne Heimat am Mittelrhein gerade heimgesucht hatten. Hagelkörner so groß wie Golfbälle hatten in manchen Gärten alles kurz und klein geschlagen und so manche Autos, Vordächer und Wintergärten sahen übel zugerichtet aus.

Von all dem wurden wir jedoch glücklicherweise auf der Fahrt verschont und zuhause schienen, nach erster Sichtung von Freunden, auch keine größeren Schäden entstanden zu sein. Wir waren dankbar und erleichtert.

Am Grenzübergang bei Basel hatten wir jedoch eine unangenehme Begegnung. Während wir viele Jahre auf unseren Reisen in die Schweiz dort einfach nur durchgewunken worden waren, wollte es der Grenzschutz diesmal genauer wissen – besser gesagt ganz genau!

Wir wurden herausgewunken und ein älterer Beamte nahm uns und unser Fahrzeug unter die Lupe. „Haben Sie etwas zu verzollen?“, fragte er korrekt-freundlich meine Frau, die wie gewohnt am Steuer saß. „Nö, nö, eigentlich nicht.“, trällerte meine Frau unbekümmert zurück. Ich rollte innerlich mit den Augen, weil ich den Blick des Mannes sah, der gerade auf den auf der Rückbank verstauten, noch original verpackten, zusammengerollten Matratzen lag, die wir vor ein paar Tagen gekauft hatten.

Der Mann sah nun wieder meiner Frau an: „Ich frage Sie jetzt noch einmal: Führen Sie neue Waren mit sich?“ Sein Ton klang streng und ich fühlte die Spannung, die in der Luft lag. „Jaaaa“, stieß ich schnell hervor, bevor meine Frau überhaupt etwas sagen konnte, „hinten liegen zwei neue Matratzen für unser Ferienhaus im Wagen …“ – Der Beamte bückte sich tiefer und schaute durch das geöffnete Seitenfenster zu mir herüber. – „ … und ich habe auch die Rechnung dabei.“, schob ich schnell nach.

„Die möchte ich gerne sehen“, sagte der Beamte, „und die Ausweise bitte!“ Was dann geschah, war der kleine, aber nicht unbedeutende Moment, den ich bereits des öfteren miterleben durfte. Gemächlich holte meine Frau ihren Pass heraus. Weißes Kreuz auf rotem Grund. „Oh, Sie sind Schweizerin?“ Pause. Das Gesicht des Mannes hellte sich auf. Ein wenig Small Talk, noch ein paar kurze Frage und ein kleiner Blick in die Kühlbox und das war’s. Kein weiteres Verhör und vor allem kein „Bitte den Kofferraum leeren und alle Gepäckstücke öffnen!“ Puh, Glück gehabt! Oder war da doch noch etwas anderes?

Als wir wieder unterwegs waren, sagte ich zu meiner Frau: „Sag mal, spinne ich, oder ist da plötzlich etwas passiert?“ „Tja“, antwortete sie, nicht ohne einen Anflug von Triumph, „ich bin halt Schweizerin!“ – Ich hatte es mir also nicht eingebildet …

Warum erzähle ich diese kleine Begebenheit? Weil sie mich an den Apostel Paulus erinnert. Die Tatsache, dass er ein römischer Bürger war, hatte eine große Bedeutung. Dadurch besaß er Privilegien, Vorteile und Rechte, die Menschen aus anderen Nationen nicht zustanden. So durfte ein Römer beispielsweise nicht einfach so festgenommen, gebunden und verhört werden.1 Es war auch nicht erlaubt, einen Römer ohne ordentlichen Prozess zu verurteilen, zu bestrafen oder ins Gefängnis zu stecken.2 Und so erzählt die Bibel mehrfach davon, wie dem Paulus seine römische Staatsbürgerschaft nutzte und wie er sich zuletzt sogar auf den Kaiser berufen konnte.3

Was hat das mit uns zu tun? Privilegien, die beispielsweise Paulus damals als Römer hatte bzw. die meine Frau als Schweizerin genießt, gibt es auch im geistlichen Sinne. Und das sind große Privilegien. So schreibt zum Beispiel der Apostel Johannes: „Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, (21) der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“ (Philipper 3, 20 f.)

Als Christen haben wir die himmlische Staatsbürgerschaft. Damit ist verknüpft, dass wir einen Heiland, einen Retter haben: Jesu Christus, den Sohn Gottes! ER ist der HERR. Und deswegen ist IHM alles untertan. Er herrscht über alles. Im Himmel und auf der Erde. Seine Kraft ist unermesslich. Und damit wirkt er, dass wir nach unserem Tod auferstehen werden. Das wird nicht nur eine irgendwie geartete geistlich-seelische Auferstehung sein, wie auch immer wir sie uns vorstellen könnten. Nein, nein! Es wird alles dazugehören – Körper, Geist und Seele. Wir werden so auferstehen, wie Jesus damals auferstanden ist. Wir werden einen verherrlichten Leib haben. Alle unsere Schwachheiten, Krankheiten und Gebrechen werden dann nicht mehr da sein. Das wird es alles nicht mehr geben.4

Dann werden wir bei Gott leben und er mitten unter uns. Wir werden auch keinen Pass oder einen quittierten Schuldschein oder Beleg vorlegen müssen, als Beweis dafür, dass wir zu Christus gehören oder dass wir neu und bezahlt sind. Denn als Christen stehen unsere Namen bereits im Buch des Lebens. Und das ist doch nun wirklich mehr als genug, um sich jeden Tag wie ein kleines Kind über ein schönes Geschenk zu freuen!


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1 vgl. Apostelgeschichte 28 f.
2 vgl. Apostelgeschichte 16, 36 ff. und 25, 16
3 vgl. Apostelgeschichte 25, 11 f.
4 vgl. Offenbarung 21, 4

Bibelverse zitiert aus:
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gott ist immer für Überraschungen gut – in positivem Sinne – ER macht Unmögliches möglich!”

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