5015 – Die Kurzwahl zu Gott

Lesezeit: 7 Minuten

„… rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50, 15)

Ein bekannter Slogan

„Ruf doch mal an!“ – im Jahre 1990 kam die Deutsche Bundespost mit diesem neuen Werbeslogan heraus. Damals gab es noch kein Internet für jedermann, kein Mobilfunknetz und keine Smartphones. Wer kein Telefon zuhause hatte oder von unterwegs anrufen wollte, musste sich eine Telefonzelle suchen. Glücklicherweise gab es beinahe in jedem Ort mindestens eine dieser gelben Kabinen mit den großen Telefonapparaten, in dem man bereits für zwanzig Pfennige ein Ortsgespräch führen konnte. Mit der Werbung „Ruf doch mal an!“ sollte die Nutzung dieser Möglichkeit und damit der Umsatz der Deutschen Bundespost gesteigert werden.

Die Kabine in der Nähe

Mir musste die Post das nicht zweimal sagen, denn ich war damals schwer verliebt. Da es meinen Eltern zu teuer war, wenn ich meine Freundin anrufen wollte, musste ich mir dafür immer eine Telefonzelle suchen. Glücklicherweise gab es eine Kabine gleich bei uns an der Ecke, sodass der Weg nicht zu weit war. Leider war es oft so, dass andere Leute dieselbe Idee hatten wie ich und die Telefonzelle, wenn ich kam, besetzt war. Da man damals für relativ kleines Geld lange Ortsgespräche führen konnte, musste ich manchmal ganz schön lange warten, bevor ich an die Reihe kam. Das war schon ziemlich nervig.

Eine teure Sache

Dies erkannte dann auch bald die Deutsche Bundespost, weswegen die Telefonzellen einen Aufkleber mit den Worten „Fasse dich kurz!“ erhielten. Zu meinem Leidwesen musste man auch dies nicht extra betonen. Da meine Freundin in der Schweiz wohnte, rannte mein Kleingeld nur so durch den Apparat. Auch wenn ich es nicht offen zugeben mochte – in meinem Inneren hatte ich schon Verständnis dafür, dass meine Eltern mir die Nutzung des heimischen Telefonapparates vorenthielten. Jedenfalls war es so: Kaum hatten meine Freundin und ich angefangen miteinander zu sprechen, mussten wir uns auch schon wieder verabschieden, was jedes Mal schmerzhafte Stiche und Wehmut in meinem Herzen auslöste.

Eine wichtige Zusage

Warum erzähle ich euch diese Geschichte? Ich berichte davon, weil es in der Bibel einen Vers gibt, der mich an dieses „Ruf doch mal an!“ der Deutschen Bundespost erinnert! Diese Bibelstelle beinhaltet eine gewisse Analogie dazu. Allerdings nur vordergründig. Gott hat auch eine Rufnummer. Sie lautet 5015. Sie ist so kurz, dass man sie sich leicht merken kann. Diese Nummer steht für Psalm 50, Vers 15. Hier steht: „… rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“

Das Buch der Psalmen ist das Gebets- und Liederbuch der Bibel. Es umfasst bekannte und weniger bekannte Dichtungen von namhaften Autoren wie zum Beispiel König David und König Salomo. Der Psalm 50 wurde von Asaf, einem Leviten zur Zeit Davids, geschrieben. Er diente Gott als Sänger, Dichter und Prophet.1 Aufgrund des Inhaltes von Psalm 50, 15 wird die Zahl 5015 auch die Notrufnummer Gottes genannt.

Kein gutes Vorbild

Die folgende biblische Geschichte aus 2. Könige 20 und Jesaja 38 illustriert diesen Vers besonders eindrücklich. Hiskia, ein Nachkomme Davids, war etwa um 700 vor Christus König von Juda und residierte in der Stadt Jerusalem.2 Sein Vater, König Ahas, war für ihn leider kein gutes Vorbild. Er folgte nicht dem HERRN, dem Gott Israels, sondern fremden Göttern nach. Um den Götzen zu huldigen, ließ er beispielsweise einen seiner Söhne durchs Feuer gehen, wie es bei den fremden Völkern üblich war.3 Dies gefiel Gott gar nicht und war ihm ein Gräuel.

Tempelentweihung

Noch beinahe schlimmer war es jedoch, dass König Ahas den Tempel des HERRN in Jerusalem entweihte. Der bronzene Altar des HERRN musste von seinem ursprünglichen Platz weichen und wurde zur Seite gestellt. Stattdessen ließ König Ahas dort einen detailgetreuen Nachbau des heidnischen Altars, den er bei den Assyrern in Damaskus gesehen hatte, errichten und auf ihm die täglichen Opfer darbringen. Um dem König von Assyrien zu gefallen, der ihn in höchster Not aus den Händen der Syrer und des Königs von Israel gerettet hatte, nahm er noch eine ganze Reihe weiterer Veränderungen am und im Tempel vor.

Götzendienst

Er verführte sein Volk dazu, auf Altären, die er an jeder Ecke Jerusalems aufstellen ließ, den Götzen zu huldigen. Auf Hügeln und unter heiligen Bäumen wurden auf seinen Befehl hin Opferstätten errichtet, um verschiedenen Göttern zu dienen und sie anzubeten. So diente und verehrte König Ahas die Göttin Astarte, den Gott Baal, die Götter der Syrer sowie viele andere Götter der fremden Nationen. Schließlich ließ er sogar die heiligen Geräte des Tempels zerstören, die Tore des Tempels verschließen und den Dienst im Tempel des HERRN einstellen.4

So provozierte König Ahas den HERRN und die Konsequenzen für ihn und sein Volk waren ein völliges Desaster. Von seinen Feinden besiegt, gedemütigt und bedrängt war von dem einstigen Glanz Judas nicht mehr viel übrig geblieben. Die Treue zu Gott war dahin und der moralische und religiöse Niedergang des Volkes weit vorangeschritten. König Ahas wurde nach seinem Tod zwar in Jerusalem, zu seiner Schande aber nicht in den Königsgräbern seiner Vorfahren bestattet.5

Aus anderem Holz

Hiskia war aus einem ganz anderem Holz geschnitzt als sein Vater Ahas. Gott, der HERR, tat an und für ihn so manches Wunder! Obwohl Hiskia an seinem Vater ein so schlechtes Vorbild gehabt hatte, schlug er, nachdem er seine Königsherrschaft angetreten hatte, einen konsequenten Kurs der Reformation ein.6

Zunächst veranlasste er, dass der Götzendienst und die Opferstätten im ganzen Land beseitigt wurden. Dann ließ König Hiskia den Tempel wieder öffnen, reinigen, Instandhaltungsarbeiten durchführen und die für den Dienst benötigten Geräte herstellen. Er ordnete die Wiedereinweihung des Tempels und seiner Gerätschaften an. Priester, Leviten, Sänger und Musiker sowie sonstige Tempeldiener reinigten und heiligten sich für ihre Aufgabe im Tempel. Der regelmäßige Gottesdienst und die täglichen Opfer für den HERRN wurden wieder aufgenommen. König Hiskia führte auch das Passafest wieder ein.

So ordnete er den Dienst des Heiligtums und schloss mit dem HERRN einen Bund. Hiskias Vertrauen zu Gott, sein Gehorsam und seine lebenslange Treue zum HERRN waren vorbildlich und führten dazu, dass Gott ihm in all seinen Unternehmungen Erfolg schenkte.7

Tödliche Krankheit

Eines Tages jedoch wurde König Hiskia schwer krank.8 Seine Ärzte und Diener kümmerten sich fürsorglich um ihn in seinem Palast. Aber anstatt sich zu bessern, verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Hiskia beinahe täglich. Schließlich befürchteten alle das Schlimmste. Da kam der Prophet Jesaja, der Sohn von Amoz, zu ihm.

Als Jesaja an das Krankenbett trat, sprach er zu Hiskia: „Hiskia, ich habe eine Nachricht vom HERRN für dich. Er lässt dir sagen, dass du dich auf dein Ende vorbereiten sollst. Du wirst nicht wieder gesund werden und musst sterben!“ Daraufhin verließ Jesaja das Schlafzimmer des Königs.

Hiskia drehte sich in seinem Bett mit dem Gesicht zur Wand hin und fing an zu beten. Dabei brach er in Tränen aus und weinte laut. „Ach HERR“, schluchzte er, „ ich war dir immer treu. Denke doch daran, dass ich dir mit ganzem Herzen gefolgt bin, dir gehorcht und stets getan habe, was dir gefällt!“

Wunderbare Heilung

Der Prophet Jesaja hatte noch nicht den Palast des Königs verlassen. Da hörte er Gottes Stimme, die ihm befahl: „Gehe wieder zurück zum König und sage ihm: ‚Der HERR, dein Gott und der Gott deiner Vorfahren hat dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich werde dich wieder gesund machen. Übermorgen wirst du von deinem Krankenbett aufstehen und in den Tempel gehen können. Ich schenke dir weitere 15 Lebensjahre und ich werde dich und diese Stadt vor den Angriffen des Königs von Assyrien bewahren. Zu meiner Ehre und zum Andenken an König David, deinen Vorfahren, der mir treu gedient hat, werde ich Jerusalem beschützen.‘“

Da ging der Prophet Jesaja wieder zurück zu König Hiskia und richtete ihm diese Botschaft aus. Dann befahl er den Dienern des Königs: „Bereitet einen Verband aus gepresste Feigen vor und legt ihn auf die entzündeten Stellen! Der König wird sich dann von seiner Krankheit erholen.“

Zweifel

Hiskia zweifelte und dachte bei sich: „Wie soll das gehen?“ Er wandte sich an Jesaja und fragte: „Wird mich der HERR wirklich gesund machen, sodass ich schon übermorgen wieder in den Tempel gehen kann? Woran kann ich das erkennen?“ Jesaja antwortete: „Der HERR wird dir ein Zeichen geben, an dem du sehen wirst, dass er sein Versprechen wahr macht! Du darfst es dir aussuchen: Soll der Schatten, der auf die Treppe fällt, 10 Treppenstufen vor- oder zurückgehen?“ „Mmh“, überlegte König Hiskia, „es ist nicht so außergewöhnlich, wenn der Schatten etwas schneller vorrückt. Ich möchte gerne, dass der Schatten zehn Treppenstufen zurückgeht.“

Daraufhin betete Jesaja zu Gott und der HERR ließ den Schatten auf der Treppe um 10 Stufen zurückgehen. Hiskia ging es schon bald deutlich besser. Er erholte sich so erstaunlich schnell von seiner Krankheit, dass er – wie es Jesaja vorhergesagt hatte – schon am übernächsten Tag aufstehen und in den Tempel gehen konnte.

Was hat das mit mir zu tun?

Was können wir hieraus lernen? Zunächst zeigt uns diese Geschichte, dass Gott uns nahe ist. Er ist nicht ein weit entfernter und unpersönlicher Gott. Gott interessiert sich für uns und für unsere Situation. Er ist nur eine Rufweite von uns entfernt. Wir können und dürfen ihn ansprechen. Mit unseren Sorgen dürfen wir zu ihm kommen. Bei Krankheiten und in Notlagen können wir ihn anrufen und ihn um Heilung und Rettung bitten. Wir dürfen vor ihm weinen und klagen. Gott lässt sich durch unser Gebet bewegen. Dabei schaut er auch auf unsere Treue und auf unser Vertrauen.

Gott ist größer

Aber letztlich ist Gott auch größer als das! Es ist also keinesfalls so, dass unser Schicksal unausweichlich feststeht. Der HERR sieht unsere Not und hört unser Rufen. Wir dürfen uns auf ihn verlassen. Er hat Erbarmen mit uns. Wir wissen nicht, ob er in wundersamer Weise eingreift und uns rettet. Diese Begebenheit aus dem Leben Hiskias zeigt sehr deutlich, dass er das kann.

Ob er es tut, obliegt jedoch seiner Entscheidung und Souveränität. Auch das „Wann“ seines Eingreifens liegt in seiner Hand. Auf jeden Fall aber gilt: Er hat uns versprochen, dass er in jedem Moment unseres Lebens bei uns, an unserer Seite sein wird.9 In schönen Tagen, aber auch im Leiden. Alleine darüber dürfen wir froh und dankbar sein. Wenn er darüber hinaus die kleinen und großen Wunder in unserem Leben wirkt, dann können und sollen wir aus ganzem Herzen jubilieren. Jubeln, ihm danken und ihn preisen, weil wir einen so großen Gott und HERRN haben.

Die Bibel ist ehrlich

Gleichzeitig ist diese Geschichte aber auch eine Ermahnung für uns. Hiskia ist durch sein Handeln, seine Treue und sein Gottvertrauen ein großes Vorbild für uns. Aber an einer Stelle versagte auch Hiskia. Wie ehrlich und echt, dass die Bibel solche Momente eines ihrer „Helden“ nicht verschweigt! Nachdem Gott ein so großes und offenkundiges Wunder an ihm getan und Hiskia von der Schwelle des Todes gerettet hatte, heißt es dort: „Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich.“10 Die wunderbare Heilung führte bei Hiskia also nicht zu einem dankbaren und demütigen Lebensstil, sondern er wurde überheblich! Vielleicht dachte er sich dabei: „Wenn ich das überlebt habe, kann mir jetzt gar nichts mehr etwas anhaben!“

Eine Mahnung

Diesen Fehler sollten wir nicht machen! Wenn wir eine kritische Situation überstanden haben, sollten wir nicht meinen, dass wir jetzt unbesiegbar wären. Wir kennen vielleicht die Hoch- und Glücksgefühle der Rettung. Plötzlich fühlen wir uns unglaublich stark und vergessen dabei ganz, wem wir diesen Sieg in Wirklichkeit zu verdanken haben. Das kann uns zu falschen Schlussfolgerungen verleiten und uns vom rechten Weg abbringen. Und auf ein Mal stolpern wir dann! Daher ruft uns der Apostel Paulus zu: „Darum, wer meint, er stehe, soll zusehen, dass er nicht falle.“11 Schön, dass Hiskia das schließlich erkannt und Buße getan hat. Und auch hiervon ließ sich Gott bewegen!12 Wie gut doch der HERR zu uns ist! Auch wenn wir versagen, dürfen wir zu ihm kommen und uns an ihn wenden! Auch wenn wir untreu sind, so ist er doch treu!13 Über seine große Barmherzigkeit dürfen wir immer wieder staunen!

Zur Vertiefung

  1. Was unterscheidet Hiskia von seinem Vater Ahas? Worauf achtet Gott, wenn er uns anschaut? Was ist ihm besonders wichtig (siehe z.B. Psalm 50, 14)?
  2. Was glaubst du hat Gott dazu bewegt König Hiskia zu heilen?
  3. Wenn Gott Hiskia nicht geheilt hätte: Wäre das ein Hinweis darauf gewesen, dass Gott Hiskia weniger geliebt hätte oder dass Hiskia sich das nicht richtig „verdient“ hätte?
  4. Warum hat Hiskia aus dem Wunder seiner Heilung nicht die richtigen Schlüsse gezogen? Wie hat sich seine Überheblichkeit gezeigt (vgl. 2. Könige 20, 12 – 19 in Verbindung mit 2. Chronik 32, 24 -26)? Wieso war Gott trotzdem barmherzig zu ihm?
  5. Was sollten wir tun, wenn wir bemerken, dass wir gegen Gottes Willen gehandelt haben?
  6. Was fühlst du und wie reagierst du, wenn Gott deine Gebete (anscheinend) nicht erhört?

1 vgl. Rienecker, Fritz; Maier, Gerhard  u.a. (2013): Lexikon zur Bibel. Witten: SCM R. Brockhaus. Seite 95.
2 vgl. ebenda Seite 536
3 vgl. 2. Könige 16, 3 ff.
4 vgl. 2. Chronik 28, 2 – 4 und 22 – 25; 2. Chronik 29, 5 – 7
5 vgl. 2. Chronik 28, 27
6 vgl. 2. Könige 18, 3 f. und 2. Chronik 29 – 31
7 vgl. 2. Könige 18, 6 ff.
8 vgl. auch zum Folgenden 2. Könige 20 und Jesaja 38
9 vgl. Matthäus 28, 20
10 2. Chronik 32, 25
11 1. Korinther 10, 12
12 vgl. 2. Chronik 32, 26
13 vgl. 2. Timotheus 2, 13

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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