Zu wenig

Lesezeit: 6 Minuten

Gottes Ziel ist viel größer als du vielleicht denkst …

Bild von klimkin auf Pixabay

„Zum Licht für die Nationen werde ich dich machen, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“
(Jesaja 49, 61)

Antiochia

Diesen Vers stelle ich diesem Abschnitt voraus, da er eng verbunden ist mit einer eindrücklichen Geschichte, die sich in Antiochia abgespielt hat.

Doch Vorsicht! Ich spreche hier nicht über die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien, in der sich nach der Welle der ersten Christenverfolgung in Jerusalem eine große und bedeutende Gemeinde, die aus Juden- und Heidenchristen bestand, gebildet hatte und in der die Jesus-Nachfolger zum ersten Mal Christen genannt wurden.2

Nein, die bemerkenswerten Ereignisse, über die ich hier berichten möchte, haben sich in der Stadt Antiochia bei oder in Pisidien zugetragen. Dieser antike Ort lag mitten in Kleinasien, also in der heutigen Türkei, und wurde etwa 300 vor Christus gegründet. Zur Zeit des Neuen Testaments gehörte Antiochia bereits als Kolonie zum römischen Reich und wurde schließlich im 3. Jahrhundert nach Christus Hauptstadt der römischen Provinz Pisidien.

Foto aus Rienecker, Fritz; Maier, Gerhard  u.a. (2013): Lexikon zur Bibel. Witten: SCM R. Brockhaus. Seite 895

Unterwegs

Nach ihrer Abreise aus Zypern kamen der Apostel Paulus und Barnabas, über Perge in Pamphylien, wo sie Johannes Markus verlassen hatte, nach Antiochia.3 Die Juden genossen zu dieser Zeit im römischen Reich eine weitgehende religiöse Freiheit. So gab es auch in Antiochia eine jüdische Synagoge und der Sabbat konnte gehalten werden.

Diese Stadt war ein Wendepunkt im Wirken des Paulus. Zwar setzte er auch später auf seinen Reisen die Gewohnheit fort, zunächst die Juden in den Synagogen zu besuchen. Doch hier, in der Stadt Antiochia, rückten erstmals die Menschen der anderen Völker in besonderer Weise in den Mittelpunkt seiner Missionsarbeit.

Ein Wendepunkt

Wie es dazu kam, ist im Kapitel 13 der Apostelgeschichte ausführlich beschrieben: Nach Ihrer Ankunft in der Stadt gingen Paulus und Barnabas am Sabbat in die Synagoge. Die Vorsteher wurden auf die Fremden aufmerksam und luden die Gäste ein, die Anwesenden durch Grüße und Zuspruch zu ermutigen.

Die Predigt, die Paulus dann hielt, machte auf die Zuhörer eine gewaltigen Eindruck. Deswegen baten sie Paulus und Barnabas am nächsten Sabbat wieder zu ihnen zu sprechen. Darüber hinaus verbreitete sich die Neuigkeit über diese beiden Fremden und ihre Botschaft wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt, sodass sich eine Woche später beinahe alle Bewohner versammelten, um die gute Nachricht von Jesus Christus zu hören.

Darüber wurden die Juden so eifersüchtig, dass sie Paulus offen widersprachen, lästerten und über Jesus spotteten. Und genau an diesem Punkt kam dann Jesaja 49, 6 ins Spiel. Paulus und Barnabas sagten es den Juden geradeheraus: „Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündigt werden; da ihr es aber von euch weist und euch damit des ewigen Lebens unwürdig erweist, nun – so wenden wir uns an die anderen Völker. (47) Denn so hat uns der Herr geboten: Zum Licht für die Völker habe ich dich bestellt, damit du zur Rettung werdest bis an die Enden der Erde.“4

Während sich die Heiden freuten, dass Gott sich auch ihnen zugewendet hatte und Gott für sein Wort lobten und dankten, verhärteten die Juden ihre Herzen, stifteten eine Verfolgung an und jagten Paulus und Barnabas aus der Stadt.

Soweit der Verlauf der Geschichte …

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Power-Predigt

Im Zentrum dieser Ereignisse stand sicherlich eins: die Predigt des Apostels. Sie war der Treiber dieser ganzen Story. Warum war das so? Weil sie solch eine Kraft hatte und so erstaunliche Wirkungen entfaltete. Diese Worte hatten Autorität.

Was diese Predigt, ähnlich wie die des Petrus zu Pfingsten5, auszeichnete, war, dass sie, ausgehend von den Schriften des Alten Testamentes, Jesus Christus als den Retter verkündigte.

Paulus holte die frommen Juden also da ab, wo sie waren und sich auskannten. Sie waren mit den Schriftrollen ihres Glaubens groß geworden. Immer und immer wieder hatten sie die Abschnitte daraus gehört, gelesen und gelernt. Das Studieren, das Auswendiglernen und das Rezitieren der heiligen Schriften standen im Zentrum des jüdischen, religiösen Lebens.

Paulus wendete nun das, was den Juden bestens vertraut war, gekonnt auf diesen Jesus von Nazareth an. Das war das Neue, das Spektakuläre und letztlich für viele auch das Skandalöse daran. Wie konnte das überhaupt sein? War ihnen etwa so etwas Wichtiges entgangen? Oder war das ganze nur eine Fälschung, eine „Fake News“ wie wir heute sagen würden?

Wie auch immer – jedenfalls war diese Botschaft ganz unglaublich und erschütterte beinahe das Grundgerüst, auf dem sie ihr Leben und ihren Glauben aufgebaut hatten. Denn, diese Predigt tat eines, sie störte: die Gewohnheiten und den religiösen Trott, die Gewissheit im Besitz der Wahrheit zu sein sowie den inneren Frieden, dass man in Bezug auf Gott auf der richtigen Seite stand.

Das machte die Zuhörer des Paulus aufmerksam und unruhig. Plötzlich waren sie hellwach. Man konnte die Spannung in der Synagoge förmlich spüren. Sie hingen an den Lippen dieses Fremden. Diese Predigt war für sie wie ein Thriller, außer dass sie nicht nur unbeteiligte Zuschauer waren, sondern dass es sie direkt betraf. Ihr Leben und vor allem ihr Seelenheil.

Diese außerordentliche Verkündigung wollten sie verstehen. Und sie musste unbedingt geprüft werden. Sei es, um sie schließlich mit Freuden anzunehmen oder aber um sie als Blasphemie zu entlarven und als Gotteslästerung zu verdammen!

Erwählt, verheißen, verkündigt

Die Predigt von Paulus vor den Ohren der Juden in der Synagoge von Antiochia beinhaltete drei wesentliche Aussagen:

Erwählt: Gott hatte Israel ausgewählt, es zu seinem heiligen, d.h. ausgesondertem, Volk gemacht und mit ihm Geschichte geschrieben.6

Verheißen: Der HERR hatte David, dem großen König der Israeliten, als Nachkommen einen Retter für Israel zugesagt.7 Dieser Heiland war nun in der Person des Jesus von Nazareth gekommen. Aber die Führer des Volkes in Jerusalem hatten ihn abgelehnt, verurteilt und seine Hinrichtung herbeigeführt. Doch Gott hatte Jesus wieder aufgeweckt von den Toten.

Verkündigt: Die gute Botschaft war daher, dass durch Jesus jedem, der glaubt, die Vergebung der Sünden und der Freispruch von allen Vergehen zugesagt wird.8

Achtung!

Die Vorsteher der Synagoge hatten die beiden Besucher um Zuspruch und Ermutigung für die Versammelten gebeten. Doch was bekamen sie? Der Apostel Paulus schloss seine Predigt mit einer Warnung. „Passt auf“, rief er ihnen zu, „verachtet diese Botschaft nicht, damit ihr nicht zugrunde geht!“9

Paulus hatte ihnen mit seiner Predigt den Boden der Scheingewissheit und religiösen Selbstzufriedenheit unter den Füßen weggezogen und sie zu Bedürftigen gemacht. Und dann stellte er sie vor die lebenswichtige Entscheidung, ob sie diesen Jesus als den Messias, als ihren Herrn und Heiland annehmen wollten!

Eine Überraschung

Ob sie damit gerechnet hatten? Wohl nicht. Und nun – würden sie dieser Botschaft Glauben schenken, ihr Leben darauf setzen, um ewiges Leben zu erhalten?10

Erst der nächste Sabbat brachte dann die Entscheidung, deren Ausgang einerseits zu überraschender Freude führte, andererseits aber durchaus auch als tragisch bezeichnet werden kann: Während eine große Anzahl aus den fremden Völkern fröhlich zum Glauben kamen, lehnten viele der Juden, also gerade die Menschen, die zu Gottes erwähltem Volk gehörten, den Heiland ab.

Brücke in die Gegenwart

Warum erzähle ich diese alte Geschichte? Was sollen wir heute damit anfangen? Ich finde, sie ist deswegen wichtig, weil sie mit uns, mit dir und mir, zu tun hat. Wie ich darauf komme? Weil diese Begebenheit ein wichtiger Schritt in der Kirchengeschichte darstellt, der dazu führte, dass diese Botschaft von Jesus Christus nach Europa gebracht wurde, dort viele Jahrhunderte überdauerte, bis in unsere Zeit hinein. Und nun liegt sie hier vor uns ausgebreitet: entscheidungsreif.

Nicht genug

Schauen wir es uns daher noch einmal kurz im Zeitraffer an.

Mehr als 700 Jahre vor Christus sprach Gott zum Propheten Jesaja: „Zu wenig ist es, dass du mein Diener bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die von Israel zurückzubringen, die bewahrt worden sind: Zum Licht für die Nationen werde ich dich machen, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“11

Gott hatte also nicht nur sein Volk Israel im Blick, sondern Menschen aller Nationen. Nur dieses kleine Volk zu retten war ihm zu wenig, nicht genug. ER wollte mehr, schon damals.

Etwa im Jahr 46 nach Christus erkannte der Apostel Paulus in Antiochia, dass diese Verheißung gerade begann sich zu erfüllen und dass Barnabas und er die Werkzeuge in der Hand Gottes für diesen Auftrag waren. Genau deswegen zitierte er sie in seiner Ansprache an die Menschenmenge, die aus Juden und Heiden bestand.12

Noch heute läuft diese Botschaft von der Vergebung der Sünden durch den Glauben an Jesus Christus um die Welt und sucht nach Menschen, die sie annehmen und gerettet werden wollen. Bist du schon dabei? Wenn noch nicht, dann greife doch zu!


1 Die Bibelstellen für diesen Artikel sind entnommen aus der Zürcher Bibel © 2007 Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich
2 vgl. Apostelgeschichte 11, 26
3 vgl. auch zum Folgenden Apostelgeschichte 13, 13 ff.
4 Apostelgeschichte 13, 46 f.
5 vgl. Apostelgeschichte 2, 14 ff.
6 vgl. Apostelgeschichte 13, 17 ff.
7 vgl. ebenda Verse 23 ff.
8 vgl. ebenda Verse 38 ff.
9 vgl. ebenda Verse 40 f.
10 vgl. ebenda Vers 48
11 Jesaja 49, 6
12 Apostelgeschichte 13, 47

Bibelverse zitiert aus:
Zürcher Bibel © 2007 Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gottes Plan beinhaltet, dass mit unbekannten Leuten an unwichtigen Plätzen zu belanglosen Zeiten etwas ganz Großartiges und Wunderbares geschieht.“

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2 Antworten

  1. Günter Romer sagt:

    der Einleitung, Gottes Ziel ……. kann ich nur zustimmen.

    Die Wahrheit ist ein selten Kraut, noch seltener, wer es gut verdaut.

    Mit den Ausführungen der Botschaft des Paulus berührst Du mich als Leser als wäre ich unmittelbarer Teilnehmer seiner Predigt.

    Besten Dank für die überzeugende und gelungene Art der Weitergabe von Wissen und Wahrheit über das Wirken des Apostels Paulus.

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