Paulus und die Epheser

Lesezeit: 7 Minuten

Dies ist der letzte Artikel der Serie “Echt!”. Eigentlich gehört er ja ganz an den Anfang. Denn hier geht es darum, wer Paulus ist und wie es überhaupt zu dem Epheserbrief des Paulus gekommen ist, mit dem wir uns in den vorhergehenden Artikeln beschäftigt haben.

Der Apostel Paulus

Saulus von Tarsus1, der spätere Apostel Paulus, ist ein frommer und ge­bildeter Jude. Gleichzeitig ist er von Ge­burt an römi­scher Staatsbürger.2 Er gehört zu der poli­tisch-religiösen Sekte oder Partei der Pharisäer.3 Sein Eifer für seinen Glauben und die jüdische Tradition ist groß. Saulus wird zu einem fanati­schen Verfolger der jungen christlichen Gemeinschaft in Jerusalem.

Als der Heilige Geist kommt

Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu4 hat sich dort zu Pfingsten etwas Außergewöhnli­ches zugetragen.5 Es kommt zur sogenannten Ausgie­ßung des Heiligen Geistes, so wie es Jesus Christus seinen Jün­gern verheißen hatte. Als die Jün­ger alle in einem Haus zu­sammen sind, gibt es plötz­lich ein Brausen wie von einem gewaltigen Wind. Zerteilte Zungen wie von Feuer setzen sich auf jeden Einzelnen. Sie werden mit dem Heiligen Geist erfüllt und sprechen auf einmal alle in anderen, fremden Spra­chen von den großen Taten Gottes.

Ein internationales Treffen

Aufgrund des Pfingst­festes sind viele gläubi­ge Juden aus allen mög­lichen frem­den Ländern in der Stadt. Viele Men­schen kom­men zusam­men. Sie sind neu­gierig und bestürzt wegen der merkwürdigen Ge­räusche und dem Reden der Jün­ger in fremden Sprachen. Sie kön­nen das Geschehen nicht einordnen. Daraufhin hält Petrus seine be­rühmte Pfingstpredigt. Er erklärt anhand der Schrif­ten des Alten Testamentes, die die gottesfürch­tigen Juden bestens kennen, dass es sich bei diesen außergewöhnlic­hen Ereig­nissen um Wirkungen des Heiligen Geis­tes han­delt. Er führt aus, dass der Pro­phet Joel bereits etwa 800 Jahre vor Christus die Ausgießung des Heiligen Geistes an­gekündigt hatte. Und genau dies hätten sie nun alle gera­de miter­lebt. Er erläutert die Rolle, den Auf­trag und die Bedeutung von Jesus als den Sohn Gottes und Messias. Seine Predigt gipfelt in dem Satz: “So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Chris­tus ge­macht hat”.6

Massenbekehrung

Daraufhin, so heißt es „ging’s ihnen durchs Herz”7. Der Geist Gottes bewirkt in den Herzen vieler Zuhörer eine tie­fe Erkenntnis der Bedeutung des Momentes sowie der ei­genen Schuld und Sünde vor Gott. Sie sind nun bereit für die Umkehr zu einem echten Leben mit Gott. An diesem besonderen Tag kommen durch das Wirken des Heiligen Geis­tes dreitau­send Menschen zum Glauben und lassen sich tau­fen.

Von Saulus …

Die Gemeinschaft der Christen in Jerusalem wächst in der Folgezeit weiter und gewinnt an Ein­fluss. Dies ist aller­dings nicht nur den führenden Ju­den ein Dorn im Auge. Auch dem jungen Saulus von Tarsus missfällt dies außeror­dentlich. Sein Zorn über den neuen Glauben an Jesus Christus, den er für ei­nen gefährlichen Irrweg hält, nimmt beständig zu. Er steigert sich zu Feindschaft und Hass ge­genüber den Nachfolgern Christi. Bei der Steinigung des Stepha­nus, des ersten christlichen Märtyrers, steht Saulus dabei und passt auf die Kleider der Zeugen und Steine­werfer auf.8

Schon wenig später lesen wir, dass Sau­lus selbst die Initiative ergreift, um die Ge­meinde mit Ge­walt zu zerstören.9 Eine erste, große Verfolgungswelle bricht in Jerusalem aus. Außer den Apo­steln flüchten alle Chris­ten aus Jerusalem und verstreuen sich im Land Judäa und in Samarien. Sie kommen sogar bis nach Syrien.

… zum Paulus

Doch Saulus gibt auch dann noch keine Ruhe. Er lässt sich Brie­fe vom Hohen Priester an die Syn­agogen in Damaskus ge­ben, um die Christen auch dort zu verfolgen. Dann reist er mit einer Reihe von Männern nach Damas­kus.

Doch noch vor den Toren der Stadt passiert et­was Unglaubliches.10 Je­sus selbst erscheint ihm in ei­nem hellem Licht. Saulus stürzt geblendet zu Boden. Er kam, um Christen gefangen zu nehmen und den Glauben an diesen Jesus auszulö­schen. Und nun be­gegnet ihm dieser Jesus persönlich! Drei Tage lang ist Saulus blind. Er muss von seinen Män­nern in die Stadt geführt werden.

Je­sus möchte gerad­e Saulus als Missionar für die Hei­den gebrauchen. Er schickt den gläubigen Christen Hananias mit dieser Botschaft zu Saulus. Saulus wer­den die Augen ge­öffnet und er empfängt den Heiligen Geist. So kommt Sau­lus durch die Be­gegnung mit Jesus Christus zum Glau­ben und wird Christ. Jesus formt sich damit aus dem größten Christen-Hasser und Verfolger der christlichen Ge­meinde seinen hingebungs­vollsten Diener, Missionar und Gemein­degründer: den Apostel Paulus.

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Die ersten Schritte

Paulus bezeugt in den Synagogen Jesus Christus als Gottes Sohn und muss kurz darauf aus Damas­kus fliehen. Er verbringt zunächst eine geraume Zeit in Arabien.11 Da­nach kehrt er wieder nach Damaskus zurück. Drei Jahre später kommt er für einen halben Monat nach Jerusalem. Barnabas, ein bewährter Mitarbeiter der christlichen Ge­meinde vor Ort, führt ihn zu den Aposteln. Paulus predigt in der Stadt und redet in der Öffentlichkeit über seinen neuen Glauben. Griechische Juden planen daraufhin einen An­schlag auf ihn. Die Brüder erfahren davon, gelei­ten Pau­lus auf seiner Flucht nach Cäsarea und schicken ihn weiter in sei­ne Heimatstadt Tarsus.

Paulus in Antiochia

In der syrischen Stadt Antiochia, einer der zu römischer Zeit bedeutendsten Metropolen im östlichen Mittelmeer­raum, entsteht eine stark wachsen­de, le­bendige Gemein­de. Die Nachfolger Jesu wer­den dort das erste Mal als Christen bezeichnet.12 Barnabas wird von Jerusalem aus zur Un­terstützung dorthin gesandt. In Antiochia angekom­men, ver­schafft er sich einen Eindruck von der Situation und hilft beim weiteren Aufbau der Gemeindear­beit. Nach einer Weile reist er nach Tarsus, um dort Pau­lus zu suchen und für die Mitarbeit zu gewinnen. Nachdem er ihn gefun­den hat, gehen sie gemein­sam zurück nach Antiochia. Dort lehren sie ein Jahr lang in der jungen Gemeinde. Antio­chia wird der Ausgangs­punkt für die Missionsreisen des Paulus13, die ihn nach Kleinasien und schließlich bis nach Europa füh­ren.

Ephesus

Ephesus ist im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt eine blühende Stadt. Sie befindet sich in Kleinasien, im Westen der heutigen Türkei. Die Bevölkerung ist multikulturell. Un­ter der Herrschaft und dem Schutz des römischen Weltrei­ches leben dort Römer, Grie­chen, Juden und Menschen aus vielen anderen Natio­nen zusammen. Ephesus ist mit geschätzt mehr als 200.000 Einwohnern eine der größten Städte im römischen Reich. Gleichzeitig ist sie Sitz des Statthalters14 über die römische Pro­vinz Asia und damit von erheblicher politischer Be­deutung.

Die Stadt befindet sich an der Mündung des Flusses Kaystros und hat einen Hafen mit Zu­gang zum Ikarischen Meer15. Durch ihre Lage an einer wichtigen Handelsroute hat sie sich zu ei­nem be­merkenswerten wirtschaftlichen Zentrum in der Region entwickelt.

Die Tochter des Zeus

Sie ist auch aus religiö­ser Sicht eine bedeuten­de Metropole. In Ephesus steht der Tempel der Artemis16, der zu dieser Zeit hoch geschätzten grie­chischen Gottheit. Arte­mis, die Tochter des Zeus, ge­hört zu den 12 olympi­schen Gottheiten in der griechischen My­thologie. Diese 12 Hauptgötter residieren auf dem Olymp, dem höchsten griechischen Gebirge. Bereits der Vor­gängerbau des Tem­pels der Artemis in Ephesus war so groß, schön und be­deutend, dass er zu den sieben an­tiken Weltwun­dern ge­rechnet wurde.

Paulus und die Gemeinde in Ephesus

In Ephesus gibt es eine jüdische Gemeinde, die sich in einer Synagoge zu Gottesdiensten trifft. Dort­hin begibt sich der Apostel Paulus, als er das erste Mal auf dem Rück­weg von seiner zweiten Missions­reise von der Stadt Ko­rinth in Grie­chenland zurück nach Antio­chia, Syrien, in Ephesus Halt macht.17 Er beredet sich in der Synagoge mit den Juden, die ihn bitten länger zu bleiben. Als sich Paulus nach kurz­em Auf­enthalt wieder aufmacht, um sei­nen Weg zurück nach Antiochia fortzusetzen, lässt er sei­ne Begleiter in Ephesus zurück: Das Ehepaar Priszilla und Aquilla, mit de­nen er bereits in Korinth zusammengearbei­tet hat.

Priszilla, Aquilla und Apollos

Den Weg zur Gründung einer christlichen Ge­meinde in Ephesus bereiten dann nicht Paulus, son­dern Priszilla und Aquilla. Einige Zeit spä­ter taucht zudem Apollos, ein ge­lehrter Jude in Ephesus auf. In der Synagoge verkündigt er offen und frei Jesus Christus als den Herrn und Retter. Pris­zilla und Aquilla nehmen ihn bei sich zuhause auf. Da sein Wissen über Gottes Weg unvollständig ist, un­terweisen sie ihn noch näher darin. In der Stadt Ephesus kommen die ersten Menschen zum christlichen Glau­ben.

Quelle: Die Ryrie Studienbibel 2012, Seite 1342

Auf seiner dritten Missionsreise18 kommt der Apo­stel Paulus wieder nach Ephesus.19 Mehr als zwei Jahre lang wirkt er dort in erstaunlicher Weise. Eine christliche Ge­meinde bildet sich. Sie wächst bestän­dig und gewinnt an Bedeutung.

Silber und Tumult

Demetrius, ein Silberschmied, und die Handwer­ker, die für den Kult der Göttin Artemis arbeiten, füh­len sich durch die Lehre des Paulus in ihrem Lebens­unterhalt bedroht. Es kommt zu einem Aufruhr und einem großen Tumult. Dieser kann nur durch das be­herzte, weise und beschwichtigende Eingreifen des Kanzlers der Stadt20 gestoppt und aufge­löst werden. Paulus beendet daraufhin seinen Dienst in Ephe­sus.21 Er bittet seinen Mitarbeiter Timotheus noch ei­nige Zeit in Ephesus zu bleiben und sich um die jun­ge Ge­meinde zu kümmern.22

Europa hin und zurück

Dann bricht er nach Mazedonien auf und kommt später bis nach Grie­chenland. Dort bleibt er etwa drei Monate. Die Juden verfolgen Paulus und planen einen An­schlag gegen ihn. Paulus ent­schließt sich daher dazu, nicht den direkten See­weg nach Syrien einzuschlagen, sondern wie­der durch Ma­zedonien zurückzureisen. Über Philippi, Troas, Assos, Mity­lene und Samos kommt er mit seinen Begleitern nach Milet, das in der Nähe von Ephesus liegt. Von dort aus sen­det er Boten, um die Ältesten23 der Gemeinde von Ephe­sus zu sich zu rufen. Er beredet sich mit ihnen, gibt ihnen letzte An­weisungen und legt ihnen die Gemeinde ans Herz. Es kommt zu einem bewegen­den Abschied. Dann setzt Pau­lus seine Reise fort. Die Ältesten und die Gemein­de in Ephesus werden ihn nie mehr wiedersehen …

Der Brief des Apostel Paulus an die Epheser

Den Brief an die Epheser schreibt Paulus etwa im Jahr 61 nach Christus. Er selbst befindet sich in Rom in Gefan­genschaft.24 Heute gehen viele davon aus, dass Pau­lus den Epheserbrief als ein Rund­schreiben gestaltet hat, der in den Gemeinden in Kleinasien weitergereicht wurde.


Die anderen Beiträge der Serie “Echt!” findest du hier:

Sünde und Tod
Was mich frisst!
Kinder des Zorns
Lebendig
erleuchtet
aus Gnade
Glauben und Werke
Sein Werk, unsere Aufgabe
Ein perfekter Plan

Wenn du wissen möchtest, was die Wieder- oder Neugeburt ist oder was es mit dem Christsein auf sich hat, dann sieh dir doch mal den folgenden Artikel und die Links dazu an: NeuGeboren


1 Tarsus ist eine in der Antike bekannte Hafenstadt in Kleinasien
(heutige Türkei)
2 vgl. Apostelgeschichte 22, 28
3 vgl. Apostelgeschichte 26, 5 und Philipper 3, 5
4 etwa 33 nach Chr.
5 vgl. Apostelgeschichte 2, 1 – 41
6 Apostelgeschichte 2, 36
7 Apostelgeschichte 2, 37
8 vgl. Apg. (= Apostelgeschichte) 7, 58
9 vgl. Apg. 8, 3; Apg. 26, 10 f.
10 vgl. auch zum Folgenden Apg. 9, 1 – 19
11 vgl. hierzu auch Galaterbrief 1, 10 – 24 sowie Apg. 9, 20 – 31
12 vgl. Apostelgeschichte 11, 26
13 ab ca. 47 nach Christus
14 Prokonsul
15 Ägäis
16 Göttin der Jagd, des Waldes, des Mondes und Hüterin der Frauen und Kinder; in der römischen Mythologie: Diana
17 vgl. hierzu Apostelgeschichte 18, 18 – 26; etwa im Jahr 52 n. Chr.
18 ca. 56 – 58 nach Christus
19 vgl. Apostelgeschichte 19
20 Stadtschreiber; einer der höchsten Beamten
21 vgl. hierzu und im Folgenden Apostelgeschichte 20
22 vgl. 1. Timotheus 1, 3
23 verantwortliche Leiter der christlichen Gemeinde
24 vgl. auch Epheser 3, 1

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

[Auszug aus dem Buch “Gefunden! Glauben. Leben. Hoffnung.” siehe auch bibelesewelt.de/buecher/ ]


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Allein die Tatsache, dass Gott durch die Bibel zu uns spricht, sollte uns motivieren neugierig zu werden und uns mit ihr zu beschäftigen.“

„Gott will, dass dein Leben gelingt! Dies zu entdecken wird das Beste sein, was dir je passieren kann!“

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2 Antworten

  1. Günter Romer sagt:

    Danke für die interessante, kurzweilige Zusammenfassung über die wundersame Wandlung vom Saulus zum Paulus und seiner Mission und Reisen.

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