Was Jesus über sich selbst sagt

Lesezeit: 5 Minuten

Über Jesus ist in der langen Geschichte nach seinem Auftreten vor über 2000 Jahren vieles gedacht, gesagt und geschrieben worden. Wie bereits zu seiner Zeit sind ihm im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Rollen zugeschrieben worden. Mal wurde er als Prophet, mal als großartiger Lehrer, dann wieder als Religionsstifter, als Hochstapler und Verräter oder als verrückter Spinner angesehen, verehrt, bewundert, verspottet oder verachtet. Vor diesem Hintergrund ist es, denke ich, wichtig anzuschauen, wie er sich selbst gesehen hat. Was hat er eigentlich über sich gesagt? Wie hat er sich selbst beschrieben? Und welche Rolle, Aufgabe und Mission hat er für sein Leben gesehen?

Die “Ich bin-Worte”

Berühmte Aussagen Jesu über sich sind die “Ich bin-Worte”, die der Evangelist Johannes uns überliefert hat. Johannes war ein Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Die beiden Brüder wurden auch die “Donnersöhne” genannt und gehörten zusammen mit Petrus zu den drei Jüngern, die Jesus am nächsten standen. Johannes und Jakobus waren beide von Beruf Fischer und gingen ihrer Tätigkeit am See Genezareth nach. Johannes soll der Lieblingsjünger von Jesus gewesen sein und ist Autor des Johannesevangeliums, der drei Johannesbriefe und der Offenbarung.

In der Reihenfolge ihrer Niederschrift durch Johannes sind uns folgende “Ich bin-Worte” Jesu überliefert:

  1. “Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten” (Johannes 6, 35).
  2. “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben” (Johannes 8, 12).
  3. “Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden” (Johannes 10, 9).
  4. “Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe” (Johannes 10, 11).
  5. “Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben” (Johannes 11, 25 + 26).
  6. “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Johannes 14, 6).
  7. “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun” (Johannes 15, 5).

Sein Anspruch

Der Anspruch, den Jesus allein in diesen Worten für sich reklamiert, ist schier unglaublich. Für viele seiner damaligen Zuhörer war das eine Zumutung. Für unsere heutige Gesellschaft trifft dies ebenso zu, wie sich leicht zeigen lässt. In unserer modernen Gesellschaft ist individuelle Freiheit und Toleranz ein hohes Gut. Dem setzt Jesus entgegen: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.” (Johannes 14, 6). Jesus nimmt damit für sich in Anspruch: Es gibt nur einen Weg zu Gott – nur durch mich! Es gibt nur eine Wahrheit – diese Wahrheit verkörpere ich! Es gibt nur einen, der das Leben ist – und der bin ich!

Diese Aussagen provozierten und provozieren noch immer Protest und Widerspruch. Wenn ein Mensch solche Sätze sagt, gilt das als anmaßend. Solche Sätze gebühren nur einem: Gott! Und genau dies ist der Anspruch, den Jesus Christus hier deutlich macht. Ich bin Gott!

Das Christentum ist, anders als landläufig immer wieder behauptet, nicht tolerant. Es gibt nicht mehrere Wege zu Gott. Es gibt keine Gleichwertigkeit der Religionen, Weltanschauungen und Götter. Nein, gemäß des christlichen Glaubens gibt es nur einen Weg zu Gott, nur eine Wahrheit: Jesus Christus!

Wenn es nur eine Wahrheit gibt, einen Weg, dann müssen alle anderen Wege, alle anderen Religionen, Philosophien und Weltanschauungen falsch sein. Diese Botschaft ist alles andere als angenehm und gesellschaftlich akzeptabel – diese Nachricht ist für viele skandalös.

Gotteslästerung?

Dies war sie auch zur Zeit Jesu. Eine besondere Brisanz ergab sich auch durch die Nutzung des Ausdruckes “Ich bin …”.  Gott hatte sich Mose als der “Ich werde sein, der ich sein werde” oder nach anderer Übersetzung “Ich bin, der ich bin” vorgestellt (2. Mose 3, 14; vgl. Luther 2017 zum Beispiel mit Elberfelder Bibel 2006 und Einheitsübersetzung 2016). Damit galt bereits die Verwendung des Ausdruckes “Ich bin …” durch Jesus bei frommen Juden als anmaßend und als Gotteslästerung.

Die Einladungen

Gleichzeitig macht Jesus mit seinen “Ich bin-Aussagen” seinen Zuhörern unwahrscheinlich attraktive Angebote. Bei ihm kann der Lebensdurst gestillt werden (vgl. 1.), ist Helligkeit und Durchblick für das eigene Leben zu finden (vgl. 2.), ist Gottseligkeit und Lebensfülle zu bekommen (vgl. 3.) und befindet sich letztlich der Schlüssel für das ewige Leben bei Gott (vgl. 5.).  

Die Aussage unter 4. weist auf den Opfertod Jesu hin, durch den das Problem der Trennung der Menschen von Gott durch die Sünde behandelt wird.

Was ist schon “Erfolg”?

Das “Ich bin-Wort” unter 7. stellt ein erfolgreiches Leben in Aussicht. Dabei ist allerdings etwas anderes gemeint, als das, was wir üblicherweise unter Erfolg verstehen. Es geht hier nicht um eine tolle Karriere, gute Leistungen in diversen Disziplinen, Anerkennung und Ruhm oder Reichtum und Macht. Nein, sondern hiermit sind andere, bessere Früchte gemeint.

Der Apostel Paulus drückt dies knapp und prägnant in seinem Brief an die Galater aus: “Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies steht kein Gesetz.” (Galater 5, 22 + 23).

Obwohl hier in aller Knappheit behandelt, wird in den “Ich bin-Worten” die hohe Sprengkraft, Brisanz und Bedeutung von Jesus für jeden Menschen deutlich. An ihm scheiden sich bis heute nicht nur die Geister, sondern, so der Anspruch der Bibel, auch die Stellung, Bestimmung und Zukunft eines jeden einzelnen Menschen. Dies gilt somit genauso für dich wie für mich!

Die Aufgabe

Genauso interessant wie bedeutsam sind die Beschreibungen, wie Jesus seine (Lebens-)Aufgabe und Mission gesehen hat. Wie hat er sich hierzu geäußert?

Hierzu nun einige Beispiele, wiederum in der Reihenfolge der Niederschrift:

  1. “Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen” (Matthäus 5, 17).
  2. “Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder” (Matthäus 9,13).
  3. “Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter” (Matthäus 10, 34 + 35).
  4. Er sagt, dass er “nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele” (Matthäus 20, 28).
  5. “Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen” (Markus 1, 38).
  6. “Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte” (Lukas 12, 49)!
  7. “Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist” (Lukas 19, 10).
  8. “Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat” (Johannes 6, 38).
  9. “Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden” (Johannes 9, 39).
  10. “Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge” (Johannes 10, 10).
  11. “Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette” (Johannes 12, 46 + 47).
  12. “Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme” (Johannes 18, 37).

Umfang und Tiefe

Jesu Worte über seine Aufgaben, Absichten und seine Mission zeigen eine große Ähnlichkeit und Konsistenz zu seinen Aussagen über sich selbst, wie der Vergleich mit den vorher behandelten “Ich bin-Worten” zeigt. Sie machen deutlich, wie umfangreich und mit welcher Tiefe er sein Wirken und seine Bestimmung gesehen und begriffen hat. Seine Äußerungen sprechen für sich.

Alle Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

[Auszug aus dem Buch “Als Gott das Licht anmachte” siehe auch bibelesewelt.de/buecher/ ]

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Eine Antwort

  1. Hallo,
    Jesus ist seiner Zeit sehr oft als Gotteslästerer angegriffen worden, weil die Menschen ihn nicht spirituell verstanden haben. Wenn ich heute Kommentare lese, die bestimmte spirituelle Dinge versuchen zu erklären bzw. zu relativieren, merke ich, dass wieder versucht wird mit dem Verstand an das Thema ranzugehen. Das ist zwar ein lobenswerter u. legitimer Versuch. Doch wenn ich nicht weiß wer ich wirklich bin, nämlich eine Teil der allumfassenden Gottesenergie, bleibt es ein verstandesgemäßer Versuch. Unser Verstand ist dafür nicht geeignet, nicht dafür vorgesehen, total überfordert. Ich darf mich auf die spirituelle Intuition einlassen und vieles/alles wird stimmig.
    LG, Walter Zillgens

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