Weltfremd?

Lesezeit: 4 Minuten

Inwiefern sind wir tatsächlich “weltfremd”? Was heißt das überhaupt? Und wie können wir damit umgehen?

Himmelsbürger

„Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.“
(1. Johannes 2, 15)

Als Christen oder Nachfolger Jesu gehören wir nun zu Gottes Familie. Wir sind Bürger seines Rei­ches: Himmels­bürger. Wir leben in dieser Welt, doch wir gehören nicht mehr dazu. Jünger Jesu sind hier nur auf der Durchreise. Unser Ziel ist die herrliche Ewigkeit, die wir bei Gott haben werden. Darauf sol­len wir uns vorbereiten.

Zielkonflikte

Wir sollen die Welt und was in ihr ist nicht mehr lieb ha­ben. Was ist damit genau gemeint?

Die Welt steht für die Gott ferne Realität, das Gott feindliche Umfeld und die Gott entfremdete Gesell­schaft, in der wir heute leben. Die Welt hat völlig an­dere Absich­ten und Ziele als Gott. Diese widerspre­chen Gottes Willen und sind seinen Intentionen völ­lig entgegengesetzt. Daher sollen wir uns als Gläubi­ge nun nicht mehr von den Ab­sichten und Zielen dieser Welt leiten, verführen und gefan­gen nehmen lassen. Dies würde uns nur ablenken und von dem wegführen, was Gott für uns im Sinn hat.

Was sind das für Zielvorstellungen, die die Welt, die die Menschen, die ohne Gott leben, verfolgen?

Der Apostel Johannes führt in 1. Joh. 2, 16 drei Punkte auf:

  • des Fleisches Lust,
  • der Augen Lust und
  • hoffärtiges Leben.

Die Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ schreibt an dieser Stelle: „Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Selbstsüchtige Wünsche, die Gier nach allem, was einem ins Auge fällt, das Prahlen mit Wohlstand und Macht. All dies kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern ge­hört zur Welt.“

Mehr!

Der Mensch, der ohne Gott lebt, lässt sich völlig von seinen Bedürfnissen leiten. Er ist sich selbst Gott und strebt danach, alle seine Sehnsüchte und Wünsche zu er­füllen. Das, was sein Körper verlangt, und das, was seine Augen begehren, versucht er zu bekommen. Dabei hält seine Zufriedenheit und sein Glück nie besonders lange an. Wenn er etwas er­reicht hat, dann ist es schon bald nicht mehr genug. Sein Credo, d. h. sein Glaubenssatz, lautet: „Ich brauche mehr!“ Und so ist die Welt, so sind die Gott fernen Menschen, die Ungläubigen gestrickt: „Wir wollen MEHR!“ Diese Gier nach mehr umfasst alles mögli­che. Es geht um mehr Besitz, mehr Geld, mehr Macht und Einfluss, mehr Luxus, mehr Vergnügen, mehr Sex und Lie­be, mehr Urlaub, mehr Reisen, mehr Fitness, mehr Ge­sundheit, mehr Essen und Trinken, mehr Lob und Anerken­nung, mehr Lebens­raum …

Sucht

Diese Gier nach „MEHR“ ist geradezu krankhaft. Sie ist ein Ausdruck und die Folge der Sünde, die die Menschen beherrscht. Und diese Gier macht die Leu­te teilweise auch tatsächlich krank, wenn sie völlig maßlos ist. Wir sprechen dann von Süchten: Alkohol­sucht, Drogensucht, Sexsucht, Spielsucht, Geltungs­sucht. Natürlich werden nicht alle Menschen, die ohne Gott leben, so offensichtlich von Süchten oder von ihren Bedürfnissen und Wünschen be­herrscht. Wenn du jedoch genauer darauf achtest, wor­über die Menschen aus deinem Umfeld reden, was sie be­schäftigt, wie sie ihre freie Zeit einsetzen und wofür sie ihr Geld ausgeben, wirst du mitunter schnell fest­stellen kön­nen, woran sie ihr Herz gehängt haben und wofür sie wirk­lich leben. Das Problem der weltli­chen Dinge ist: Sie sind von Gott gar nicht geschaf­fen worden, um uns dauerhaft inneren Frieden, Dankbarkeit, Zufriedenheit und Ruhe, Freude und Wohlsein oder ein Lebensziel und einen Le­benssinn zu geben. Sie können unser Herz nicht füllen oder erfüllen. Das kann nur Gott! Das kann nur die Ge­meinschaft mit ihm. Jesus spricht: „Ich bin ge­kommen, da­mit sie das Leben haben und volle Ge­nüge.“1

Stolz

Der Apostel Johannes beschreibt das Leben der Ungläu­bigen als ein hoffärtiges Leben. Was bedeutet das? Der Begriff „hoffärtig“ ist uns heute nicht mehr so geläufig. Es bedeutet anmaßend stolz, verletzend überheblich, hoch­mütig, herablassend, vermessen, großspurig, selbstgefäl­lig und selbstherrlich. Ich denke, wir wissen nun beide, was damit gemeint ist. Der Mensch ohne Gott macht sich selbst zu Gott. Er ist selbst der Maßstab und der Mittel­punkt der Welt und des Lebens. Er beurteilt alles, aber er selbst kann und darf von anderen nicht beurteilt wer­den. Der Gottlose lässt keine Autorität über sich gelten. Er weiß al­les. Er kann alles. Nur seine Meinung zählt. Und das sollen und müssen alle anderen begreifen. Deswegen stellt er sich, seine Fähigkeiten, seinen Besitz, seine Schön­heit, seine Stellung und seine Erfolge zur Schau. Er erhebt sich über alles und macht alles andere sowie alle anderen klein. Sei­ne Begrenztheit, seine Endlichkeit und seine Schwach­punkte kann und will er nicht sehen. Und so ist das Leben ohne Gott ein hoffärtiges Leben.

Echte Freiheit

Wenn dein Christsein echt ist, dann wird deine Lebens­ausrichtung jetzt eine ganz andere sein als frü­her. Deine Liebe und dein Herz gehören nun nicht mehr dem Besitz und den Zielen, denen die Welt hinterherläuft. Du er­kennst den Nutzen, den z. B. materielle Dinge dem Le­ben zu bie­ten haben, durch­aus an. Schließlich sind ja alle hilf­reichen Sachen des Lebens von Gott geschenkt. Aber du bist und machst dich nicht mehr davon abhängig. Sie sind dir nicht mehr so wichtig wie früher. Du wirst und musst dich im All­tag natürlich weiterhin um weltliche Angelegenh­eiten, wie z.B. um deine Arbeit bzw. deine täg­lichen Pflichten, küm­mern. Die Ziele der Welt und der ma­terielle Besitz bestim­men jedoch nicht mehr deinen Le­benswert und den Sinn deines Lebens. Du musst nicht mehr der Größte und der Beste sein. Das musst du dir und an­deren nicht mehr be­weisen. Als Kind Gottes bist du un­abhängig von Be­sitz und Erfolg in Gottes Augen so wert­voll, dass er seinen Sohn für dich geopfert hat!


Zur Vertiefung

  1. Wofür lebst du? Was ist für dich das Größte? Worin besteht für dich der Sinn des Lebens? War das frü­her einmal anders? Wie spiegelt sich deine „Le­bensphilosophie“ darin wieder, wie du deine Zeit und/oder dein Geld ein­setzt?
  2. Welche Lebensausrichtung hat ein „Himmelsbür­ger“? Was ist für ihn wichtig, was nicht? Was un­terscheidet ihn von einem „Weltenbür­ger“?
  3. Was macht deiner Meinung nach dein Leben für dich / für andere / für Gott wertvoll?

1 Johannes 10, 10

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

[Auszug aus dem Buch “Gefunden! Glauben. Leben. Hoffnung.” siehe auch bibelesewelt.de/buecher/ ]


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gottes Plan beinhaltet, dass mit unbekannten Leuten an unwichtigen Plätzen zu belanglosen Zeiten etwas ganz Großartiges und Wunderbares geschieht.“

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Eine Antwort

  1. Günter Romer sagt:

    Sinn des Lebens, meines Lebens!!!

    Wandelt sich der Sinn nicht genau so wie das Leben selbst?
    Als Kind habe ich nicht über den Sinn des Lebens nachgedacht. Ich habe mich einfach am Leben gefreut, Eindrücke gesammelt. Gute wie schlechte. Sie prägten mein Leben in das ich hineingeboren wurde.

    Später hieß es, du musst das elterliche Geschäft übernehmen. Was blieb mir anderes übrig, mehr unbewusst als bewusst meinem Leben das Ziel oder den Sinn zu geben eine Ausbildung als Friseur zu machen. Nach zwei Gesellenjahren wusste ich, dass dieses nicht mein Beruf und meine Zukunft ist und damit meinem Leben Sinn gibt, der mit meiner inneren Bestimmung und Berufung übereinstimmt. Wie es das Leben so will, nicht so sehr wie ich das wollte, erspürte ich meinen zukünftigen Beruf durch ein Aha Erlebnis im Krankenhaus. Aus heutiger Sicht, war dieses eine Fügung. Von da an, ich war damals 22 Jahre, wusste ich was ich wollte. Ich gab meinem Leben den Sinn eine Ausbildung zum Masseur zu machen.

    Seltsamerweise wusste ich schon mit 18 Jahren, dass ich Vater von drei Söhnen werde, ohne jemals einer Frau tiefer in die Augen geschaut zu haben. So hält man im Unterbewusstsein Ausschau nach dem was hierzu einfach gehört. Das Leben gibt sich also selbst Sinn, auch wenn wir Ihn nicht immer als solchen erkennen. Wie es im Unterbewusstsein vorgesehen war, wurde ich mit 27 Jahren das erste Mal Vater eines Sohnes, mit 29 das zweite und mit 34 Jahren das dritte Mal. Wie gesagt, das Leben gibt sich auch selbst seinen Sinn. Erst viel später wusste ich, dass damit noch lange nicht der Sinn meines Lebens erfüllt ist und welcher Lebensinn noch auf mich wartet. Es ging darum zu erkennen welch unbewusste Muster, Fluch und Segen, die ganz früh als Kleinkind und später im Elternhaus angelegt wurden meine Lebensspur bestimmten. Nur so konnte ich den Schmerz meiner Scheidung nach 20 Ehejahren bewältigen und inneren Frieden finden. Das waren zwei Jahre harte Arbeit, die mit viel Tränen verbunden war. Den Schritt der Trennung konnte ich nur gehen, weil ich innerlich spürte, dass er richtig war und ich meinen Söhnen mit dieser Entscheidung weiterhin aufrichtig in die Augen schauen konnte. Hier sehe ich den Sinn meines Lebens darin, lebenswichtige Entscheidungen zu treffen und sich im loslassen einzuüben. Loslassen, das viel schwerer ist als festhalten. Mein Leben ging weiter und ich bin heute mehr denn je dankbar für alles was mir das Leben geschenkt und genommen hat.

    Erst mit dem Tod, dem wir im Vertrauen entgegen sehen können, im Wissen, dass das eigene Leben und alles damit Verbundene seine Richtigkeit hatte, findet das Leben ein wirklich glückliches Ende und damit auch einen tieferen Sinn. Ich glaube erst der Tod befreit uns aus Verhaftungen, aus denen wir uns nicht selbst befreien können. Ist nicht die innere Vorbereitung auf diesen Augenblick, der jeden Augenblick sein kann, der eigentliche Sinn des Lebens? Hat damit das Leben nicht auch den Sinn sich auf das ewige Leben vorzubereiten?
    Wohl dem der erkennt, dass uns der Tod mit jeder Ausatmung, ja jeden Augenblick begleitet. Ich glaube, dass nur derjenige glücklich lebt und seinem Leben tiefen Lebensinn gibt, der dieses nicht nur rational weiß, sondern dankbar erfahren hat.

    Das Leben hat mich gelehrt auch den Sinn seiner Fügungen zu erkennen, und ihnen zu folgen. Die inneren Wünsche dürfen mir aber kein ungutes Gefühl machen. Gesunde Spannung ja. Spannung, die mich auffordert den eigenen Lebensweg zu gehen. Bewusst sich für das zu entscheiden was mit dem übereinstimmt was ich mir selbst zutraue. Zutraue, weil es in meinen eigenen Möglichkeiten liegt. Das hilft meinem Leben und gibt ihm Sinn. Nicht anderen Menschen, Eltern, Lehrer, Lebenspartner zur Last fallen und sie für den Mangel an Mut und Eingeständnis meiner immer begrenzten Möglichkeiten, also wünschenswerter aber nie erreichbarer Fähigkeiten, verantwortlich zu machen, das lässt mich erst glücklich werden und gibt dem Leben Sinn.

    Der Sinn des Lebens liegt also auch darin Verantwortung zu übernehmen, und damit wirkliche Freiheit zu erringen. Zumindest soweit wie mir die Fähigkeit des Erkennens und danach Handeln geschenkt wurde. Aus allem bisher genannten ergibt sich auch der Sinn anderen Menschen, denen die Fähigkeit eines Lebenssinnes nicht geschenkt wurde oder abhanden gekommen ist, die vielmals am Leben vorbei leben, dem eigenen Leben und der Schöpfung meist unbewusst Schaden zufügen, oder die durch ihr eigenes Schicksal geschunden sind, ein gesundes Maß an Rücksicht und Verständnis entgegen zu bringen. Denn wir wissen alle nicht, welche Einflüsse den Mitmenschen, so wie er nun einmal wurde und ist, haben werden lassen.

    Je mehr ich mich in meinem heutigen Beruf als Physiotherapeut auf den anderen Menschen einlassen kann, egal welcher Kultur, Nation und mit welcher Krankheit er behaftet ist, je mehr gebe ich meinem Leben Sinn. Alles einlassen auf Fremdes gibt für mich allerdings nur soweit Sinn, soweit ich nicht meiner eigenen Seele Schaden zufüge, weil es sonst niemandem mehr hilft. Das heißt, anderen Menschen zu helfen und zu dienen gibt meinem heutigen Leben Sinn. Soweit es mir möglich ist, freundlich, verbindlich und bedingungslos.

    Sinn meines Lebens ist für mich die Macht der Liebe zu erkennen, ihr zu folgen und zu dienen. So kann ich mich heute an meinem Leben genau so freuen wie als Kind, nur, dass ich heute bewusster zwischen Freude und Schadenfreude unterscheiden kann und damit ein bewussterer Mensch wurde. Sich seiner selbst bewusst zu werden, auch das ist Sinn des Lebens.

    Vielleicht bin ich ein netter sympathischer Träumer, aber ich bedauere nichts was mir das Leben durch physischen und psychischen Schmerz alles genommen hat. Das Leben hat mich mit allem mehr beschenkt und damit bereichert.

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