Der Knochenjob

Lesezeit: 4 Minuten

Manchmal haben wir so idyllische Bilder im Kopf. Die Wirklichkeit ist jedoch häufig ganz anders – viel härter und gelegentlich zum Fürchten. Gut, dass es jemanden gibt, der sich voll für uns einsetzt: Jesus!

Ich bin der gute Hirte …“ (Johannes 10, 11)

Vorstellung …

Wenn Jesus seine Leute Schafe nennt und sich den guten Hirten, dann hatte ich immer friedliche Bilder von grünen Wiesen vor Augen, auf denen Herden von wolligen Schafen unter den wachsamen Augen eines Schäfers im langen Mantel und mit breitkrempigem Hut sowie seines Hundes grasen. Oder ich erinnerte mich an eine Statue vor der Kirche Maria Laach, auf der ein römisch-aussehender junger Mann ein Lamm auf seiner Schulter trägt.


Blick auf Kloster Maria Laach in der Eifel (D); Bild von analogicus auf Pixabay

… und Wirklichkeit

Aber diese Bilder änderten sich, als ich drei Wochen auf einer Schaffarm in Neuseeland verbrachte und alles lernte, was man über Schafe wissen muss.

Das Resultat: Ich finde, dass es nicht sehr schmeichelhaft für mich ist mit einem Schaf verglichen zu werden.

Die Familie, bei der ich wohnte, lebte eine Stunde entfernt von Christchurch auf der Südinsel bei Aracoa. Als ich abgeholt wurde, war ich begeistert von der herrlichen Umgebung der Farm, die auf einer Seite vom Südpazifischem Ozean eingerahmt war und sich über viele hügelige Wiesen erstreckte.


Gegend von Christchurch; Photo by Stuart Brown on Unsplash

Das Drama

Am Abend erzählten mir meine Gastgeber, dass sie 4.000 Schafe auf den Weiden hatten und dass gerade vor meiner Ankunft ein tragischer Unfall dreißig Schafen das Leben gekostet hatte. Ein Schaf hatte sich erschrocken und fing an zu rennen. 29 andere Schafe rannten ihm in Panik nach und alle stürzten schließlich über die Klippen auf den Strand des Ozeans hinunter.


Bild von Heidelbergerin auf Pixabay

Arbeit bis zum Umfallen

Ich war allein schon vom Zuschauen müde.

Während meines Aufenthalts folgte ich mehreren Männern und einem Rudel Hunde auf eine eingezäunte Weide und sah zu, wie alle vereint eine große Herde Schafe aus der Umzäunung auf eine neue umzäunte Wiese zu treiben versuchten. Was sich so leicht anhört, war jedoch Schwerstarbeit, die die Kraft und Ausdauer von Männern und Hunden bis zum Äußersten strapazierten, bis alle nach einigen Stunden erschöpft waren und man endlich die Tore schließen konnte.

Nicht die große Menge der Schafe machte die Arbeit, sondern die kleinen Gruppen, die sich absonderten, in die entgegengesetzte Richtung liefen und einfach nicht zum Ausgang zu bewegen waren. Die Männer und Hunde rannten ihnen nach und taten ihr Bestes, aber trotz der tollen Zusammenarbeit von gehorsamen Hunden und pfeifenden Männern liefen die kopfscheuen Tiere immer wieder in die falsche Richtung. Ich war allein schon vom Zuschauen müde.

Zurück, marsch, marsch!

Als ich einige Tage später in Begleitung des treuen Haushundes durch die schöne Umgebung streifte und einen Hügel erklomm, sah ich auf einmal eine Gruppe Schafe auf der Wiese, die zum Ozean hin offen war. Die Schafe hatten den Hund erblickt und standen ängstlich still. Die Erinnerung an die Horrorgeschichte noch im Kopf pfiff ich ihn zurück und schlich langsam rückwärts den Hügel wieder runter. Wie leicht hätte es wieder zu einer Panik kommen können!

Ohne einen Hirten sind wir hilflos, verloren und wehrlos …

Beim Friseur

Ich erlebte auch die Zeit der Schafschur und sah, wie ein Schaf nach dem anderen von den Scherern schnellstens seines dicken Wollkleids beraubt wurde ohne sich zu wehren, um dann, dünn und manche mit Blessuren, in die kühle Luft hinaus zu hüpfen.

Hoffnungslos hilflos …

Am Ende meines Aufenthalts hatte ich gelernt, dass Schafe hilflos, dumm und ängstlich sind, weil sie sich selbst nicht wehren können und darum einen Menschen brauchen, der sich um sie kümmert und sie vor Feinden bewahrt.

Es hat also seinen guten Grund, dass Jesus die Menschen als Schafe sah, die keinen Hirten hatten und so verschmachtet und zerstreut, ziellos und ängstlich in der Welt umherirrten.1

Das bedeutet: Ohne einen Hirten sind wir hilflos, verloren und wehrlos den Feinden ausgesetzt.

… bei Jesus geborgen

Aber das Mitgefühl mit den verlorenen Menschen treibt Jesus von sich zu sagen:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Johannes 10, 11)

und

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; (28)und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. (Johannes 10, 27 – 28)

Statt unserer ängstlichen, hilflosen Verlorenheit schenkt uns Jesus ewiges Leben und Geborgenheit in seiner Hand – obwohl es ihn sein Leben kostet.

Und dankbar und voller Lobpreis dürfen seine Schafe mit König David bekennen:

Der Herr ist mein Hirte. Mir wird NICHTS mangeln.“ (Psalm 23, 1)


1 vgl. Mathäus 9, 36

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart


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Über die Autorin:

Yola Entz wurde vor 94 Jahren in Berlin als Halbjüdin geboren und überlebte die Nazizeit in Deutschland. 1947 wanderte sie nach Amerika aus und kam 1959 mit ihrer Familie und mit der Botschaft der Vergebung durch Jesus Christus zurück in die Bundesrepublik Deutschland.

Yola engagierte sich 25 Jahre in der Jugendarbeit in Koblenz und 23 Jahre in den Aufbau des Frühstückstreffen für Frauen in Deutschland e.V. als Vorstandsfrau, Referentin und Autorin.

Seit 2012 wohnt sie in Los Angeles, Kalifornien, mit drei Kindern, fünf Enkeln und vier Urenkeln.

Neben mehreren Büchern erschien 2005 ihre Autobiographie mit dem Titel „Yola – Ein Leben in Berlin, Hollywood und anderswo“ im Brunnen-Verlag, Gießen.

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Eine Antwort

  1. Günter Romer sagt:

    Ein für das Leben berührendes, beeindruckendes und prägendes Erlebnis mit den Schafen. Nicht von ungefähr kommt die Redewendung: “Du verhältst dich wie ein dummes Schaf”.
    Wir können noch so gescheit sein oder tun, letztlich sind wir alles Schafe, die auf einen Hirten angewiesen sind. Gut, dass wir Christus haben.
    Dein Günter

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