verschleppt

Lesezeit: 4 Minuten

Diesen Moment der Erkenntnis solltest du nicht vorbeigehen lassen …

Der Statthalter

„Für diesmal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wieder rufen lassen.“
(Apostelgeschichte 24, 25; ZB)

Dieser Satz ist von Marcus Antonius Felix, der zwischen 52 und 60 nach Christus Prokurator von Judäa, d. h. römischer Verwalter und damit der mächtigste Mann im Land, war.

Seine Herrschaft wird von damaligen Geschichtsschreibern als herrisch und tyrannisch beschrieben. Er regierte mit harter Hand. Empörungen des Volkes oder Aufstände schlug er brutal und gnadenlos nieder. So brachte er beispielsweise der Widerstandsbewegung eines falschen Propheten, der der Ägypter genannt wurde und auch in der Bibel erwähnt wird, eine vernichtende Niederlage bei.1

Durch seinen Regierungsstil trug Marcus Antonius Felix dazu bei, dass die allgemeine Unzufriedenheit des jüdischen Volkes zunahm und sich die Spannungen zwischen ihnen und der römischen Besatzungsmacht erheblich verschärften. Als in dieser Zeit der Apostel Paulus gefangen von Jerusalem nach Caesarea, der Stadt, in der Felix residierte, gebracht wurde, mussten daher erhebliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Die Überführung des Gefangenen fand nachts statt und wurde von mehreren hundert Soldaten durchgeführt.2

Der Prozess

Der Hohepriester Ananias und einige jüdische Ratsältesten waren mit dem Anwalt Tertullius von Jerusalem nach Caesarea gekommen, um den Apostel Paulus zu verklagen. Die Gerichtsverhandlung, in der sich Paulus vor dem Statthalter Felix verteidigte, ist detailliert in der Apostelgeschichte beschrieben.3

Die Anklage bestand im wesentlichen aus drei Punkten:

  • Stiftung von gefährlicher Unruhe und Aufruhr unter den Juden weltweit,
  • Führung einer Sektenbewegung, der sogenannten Nazarener, und
  • Entweihung des Tempels in Jerusalem.

Allein der erste Anklagepunkt hätte nach römischen Recht vermutlich für eine lange Gefängnis- oder sogar die Todesstrafe ausgereicht. Die beiden folgenden Vorwürfe untermauerten diesen Punkt und stellten darüber hinaus erhebliche Verletzungen jüdischer Gesetze dar.

Felix war gut mit den Ereignissen in seinem Herrschaftsgebiet sowie mit den Gebräuchen und der Religion der Juden vertraut. Dabei wusste „er über den neuen Weg recht genau Bescheid“.4 Dazu trug mit Sicherheit bei, dass er mit Drusilla, einer Jüdin, verheiratet war.

Als sich Paulus verteidigte, erkannte Felix daher sehr schnell, dass es hier lediglich um religiöse Streitfragen ging und sich der Vorwurf des Aufruhrs wohl nicht schlüssig darstellen und beweisen ließ. Da er den Juden jedoch nicht vor den Kopf stoßen wollte, verschleppte er den Prozess und hielt Paulus – allerdings unter Hafterleichterungen – weiterhin gefangen.

Eine Konfrontation …

Die ganze Sache hatte die Neugier des Felix geweckt; er hatte Interesse daran, mehr über den christlichen Glauben zu erfahren. Daher ließ er Paulus zu einem Gespräch zu sich und seiner Frau Drusilla rufen.

Und dann kam es zu diesem besonderen Moment, den die Bibel so beschreibt: „Er ließ Paulus kommen und hörte ihm zu, wie er vom Glauben an Jesus, den Gesalbten, sprach. (25) Als er aber auf Gerechtigkeit und Selbstbeherrschung und das künftige Gericht zu sprechen kam, wurde es Felix angst und bang, und er entgegnete: Für diesmal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wieder rufen lassen.“ (Apostelgeschichte 24, 24 f.)

Plötzlich wurde es für Felix persönlich. Die Botschaft des Paulus kam ihm ganz nahe und stellte ihn und seinen Lebensstil in Frage …

… ohne Ausweg.

Diese Botschaft ist seitdem bei unzähligen Gelegenheiten auf der ganzen Welt verkündigt worden und wird uns jetzt, in diesem Moment, wiederum vorgelegt. Sie ist dringend und lebenswichtig, für manche sogar lebensgefährlich. Du solltest sie nicht, wie Felix es damals tat, vertagen oder gar völlig beiseite schieben. Warum? Weil es hier um dein Seelenheil und um deine ewige Zukunft geht.

Einmal wird der Tag kommen, an dem du vor Gericht stehen wirst. Es wird kein weltliches Gericht sein, sondern Gott selbst wird dein Richter sein. Der Prozess wird perfekt vorbereitet sein, ohne Mängel durchgeführt und das Urteil wird makellos sein. Dein Leben wird wie ein offenes Buch vor deinem Richter liegen. Alles wird transparent sein – keine Geheimnisse, keine Lücken, nichts versteckt. Beschönigungen oder Ausreden werden nicht gelten. Nur die Wahrheit, nichts als die Wahrheit wird zählen.

Das erkannte Felix damals als Paulus zu ihm über diesen „Glauben an Jesus, den Gesalbten, sprach.“ Er war Römer, ein Heide, und dennoch wusste er, dass nach seinem Tod nicht alles einfach vorbei sein würde, sondern dass er dann vor einem Größeren Rechenschaft ablegen muss.

Und dann, in dem Augenblick als er die Begriffe „Gerechtigkeit“ und „Selbstbeherrschung“ hörte, wurde er ganz unruhig und bekam es mit der Angst zu tun …

Unbequem

Worüber sollte Jesus mit dir reden, damit es für dich ungemütlich wird? Welchen Punkt sollte er ansprechen?

Du glaubst, dass es den nicht gibt, dass du kein Thema zu scheuen brauchst? Du meinst, dass du dir keine Sorgen über das künftige Gericht machen musst?

Du irrst dich. Wenn du denkst, dass du ein tadelloses Leben führst – es müsste tausendmal besser sein! Niemand kann dem Blick Gottes im Gericht standhalten.

Ganz ehrlich, zu sagen „Ich habe jetzt keine Zeit mehr, ich komme ein anderes Mal darauf zurück.“, wie es Felix und nach ihm Millionen von Leuten gemacht haben, ist keine Lösung für dieses Problem. Wir alle müssen uns ihm stellen. Je eher desto besser. Erst wenn du begreifst, dass du nichts in der Hand hast und verloren bist, dann gibt es eine Basis für eine Rettung. Nur dann, wenn du realisierst, dass du völlig hilflos bist, bist du bereit nach Hilfe zu suchen.

In der Bibel steht:
„Er [Jesus] kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. (12) Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.“
(Johannes 1, 11 f.; LUT)

Unser aller Heil und Rettung liegt in dem Einen, in Jesus. Nur in IHM!

Epilog

Markus Antonius Felix ließ später tatsächlich Paulus immer wieder zu sich rufen, um sich mit ihm zu unterhalten. Vielleicht war er fasziniert von dieser einmaligen Persönlichkeit des Paulus oder er fand die neue Lehre über Jesus Christus hochinteressant. Wir wissen es nicht.

Allerdings erwähnt die Bibel ein weiteres Motiv, warum Felix den Kontakt zu Paulus suchte: Er erhoffte sich Geld von ihm. Nach 2 Jahren wurde Felix dann abgelöst. Um den Juden zu gefallen, ließ er Paulus als Gefangenen in Caesarea zurück …5


1 vgl. Apostelgeschichte 21, 38
2 vgl. Apostelgeschichte 23, 23 f.
3 vgl. Apostelgeschichte 24
4 Apostelgeschichte 24, 22
5 vgl. Apostelgeschichte 24, 26 f.

Bibelverse zitiert aus:

Zürcher Bibel, 2007, © 2007 Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich [ZB]
und
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. [LUT]
Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gottes Plan beinhaltet, dass mit unbekannten Leuten an unwichtigen Plätzen zu belanglosen Zeiten etwas ganz Großartiges und Wunderbares geschieht.“

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Eine Antwort

  1. Günter Romer sagt:

    Torsten,
    Du triffst wieder einmal den Nerv unserer Zeit.

    Wie oft musste ich mir während meiner langjährigen Berufstätigkeit von Vorgesetzten anhören, ich habe keine Zeit.
    Dabei war ich selbst in einer großen Klinik über nahezu drei Jahrzehnte Vorgesetzter von über 30 Mitarbeitern für die alle viel Zeit benötigt wurde, wenn die Dinge einigermaßen gut und stimmig sein sollten.
    Nach Übernahme des Familienbetriebes von einem Konzern wurden wir aus Hamburg gelenkt wie die Kirche heute aus Rom. Es hat sich niemand mehr richtig Zeit für die örtlichen Belange genommen. So musste der Betrieb nach über 100 Jahren Insolvenz anmelden. Wird es der Institution Kirche anders ergehen?

    Ein Sprichwort lautet:
    „Gut Ding braucht gut Weil“
    Insofern hat alles seine Zeit und damit seine Richtigkeit. Manchmal bedarf es des Untergangs großer Reiche, manchmal kleiner Betriebe um zu erkennen worauf es ankommt.

    Der Glaube bedarf einfach gewisser Erfahrungen und Schlüsselerlebnisse.

    Mit lieben Grüßen
    Günter

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