Unfassbar!

Lesezeit: 6 Minuten

Manchmal können wir nur noch staunen …

„Und er wählte 5 glatte Steine aus dem Bach …“
(1. Samuel 17, 40)

Klein …

Gestern war ein sensationeller Tag! Nachdem wir uns nach langem Hin und Her entschlossen hatten in dieser Urlaubswoche nicht zu verreisen, sondern zu Hause zu bleiben, wollten wir, um zumindest etwas „Urlaubsfeeling“ zu haben, einige Ausflüge machen.

Am Wochenende hatten wir bereits wunderbares Wetter gehabt. Aber irgendwie konnte ich mich nicht so richtig darüber freuen. Es gab ein Problem mit der Bank, das ich nicht mehr rechtzeitig vor den freien Tagen hatte lösen können. Ich hatte zwar alles Mögliche unternommen, um diese Sache zu klären, spürte aber, dass ich den Ausgang dieser Angelegenheit nicht in der Hand hatte. Das trieb mich um, die Gedanken kreisten und ich fand den Ausgang nicht. Am Ende war ich einfach nur frustriert.

Gestern Morgen habe ich mich dann direkt hinter das Telefon geklemmt, um einen neuen Anlauf zu unternehmen. Während dessen war meine Frau ganz entspannt geblieben und hatte alles für unseren Tagesausflug vorbereitet.

Gegen 10 Uhr ging es dann los. Wir fuhren mit dem Auto die Alteck hoch und kamen nach einiger Zeit über Dierdorf, Herschbach und einige weitere Dörfer nach Linden im Westerwald. Da wir bereits seit knapp 30 Jahren in der Nähe der Wied, einem rund 102 km langen Nebenfluss des Rheins, leben, wollten wir gerne einmal zu deren Quelle. Und die liegt eben etwas oberhalb von Linden, einem kleinen, wunderschön inmitten von Wiesen und Feldern gelegenen Dorf und entspringt unter dem mächtigen Wurzelwerk einer mehrhundertjährigen Buche. Das Gelände um das kleine Rinnsal ist nett angelegt, alles in allem jedoch ziemlich unspektakulär, so dass es auch bald schon weiterging in das wenige Kilometer entfernt liegende Dreifelden, wo unser Rundgang um den Dreifelder Weiher startete. Die Wied, die dort in den Dreifelder Weiher fließt, ist übrigens bereits dort schon ein richtiger, kleiner Bach geworden …

… aber oho

Mehrere tausend Jahre zuvor stand ein junger Mann ebenfalls an einem Bach und suchte konzentriert dessen Grund ab. Der Grund hierfür war allenfalls im Rückblick betrachtet ein romantischer, denn dieser Bursche bereitete sich auf einen Kampf vor, der vielleicht nicht sein größter, aber sicher sein berühmtester werden sollte.

Zu diesem Zeitpunkt war er, der später einmal ein großer König des Volkes Israel sein würde, nur ein unscheinbarer Hirtenjunge, während sein Gegner, durch seine riesenhafte, bis unter die Zähne bewaffnete Gestalt und durch sein Höhnen und Fluchen, den König und das ganze Heer der Israeliten bereits seit 40 Tagen in Angst und Schrecken versetzte.

Natürlich ist spätestens jetzt den meisten von euch klar, dass ich hier von David und Goliat spreche – von wem auch sonst?

David war vermutlich mit beiden Füßen in den Bach gestiegen und suchte nun nach Steinen, die ihm als geeignete Geschosse für seine Schleuder dienen konnten. Die richtige Größe und Form sowie das passende Gewicht mussten sie haben. Schön glatt, das war wichtig für einen treffsicheren Wurf. Warum es gerade 5 Steine waren, die David schließlich auswählte und in seine Hirtentasche steckte, weiß ich nicht. Wären nicht vielleicht 8 oder 10 besser gewesen? Sicher ist sicher …

Die Sensation

Innerhalb von wenigen Minuten hatte sich die Partie vollkommen gedreht. Die Klasse des Weltmeisters war aufgeblitzt und Torhüter Yann Sommer musste zweimal hinter sich greifen. Wir hatten es uns abends daheim im Wohnzimmer gemütlich gemacht und starrten wie gebannt auf den Bildschirm. Wir konnten es noch gar nicht richtig fassen. Hatten die Schweizer nicht noch gerade 1:0 geführt und einen Foulelfmeter zugesprochen bekommen? Und jetzt: Elfmeter verschossen und zwei Tore kassiert – und das innerhalb von nur 5 Minuten!

Die Stimmung im Stadium, an den Bildschirmen und bei den Kommentatoren dürfte dann spätestens nach dem dritten Tor der Franzosen gekippt sein: „Ah, war ja klar, dass Frankreich das locker gewinnt.“

Was allerdings danach kam, war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Erst in der allerletzten Sekunde dieses Spiels, – nach Ausgleich in der regulären Spielzeit, Verlängerung und Elfmeterschießen – als nach beherztem Sprung in die rechte Torecke mit hochgereckter Hand der letzte Elfmeterschuss des französischen Spielers von Yann Sommer abgewehrt werden konnte, war klar: Die Schweiz hatte das Achtelfinalspiel der Fußballeuropameisterschaft 2021 gegen den Weltmeister Frankreich in einem überragendem Spiel gewonnen. Der Fußballwinzling gegen das Gewinnerteam voller Superstars. Unser Wohnzimmer tobte vor Freude – meine Frau ist Schweizerin …

Eine Audienz beim König

Nun hat unser Tagesausflug und dieses grandiose Fußballspiel natürlich keinen frommen Hintergrund und soll auch auf keinen Fall für eine biblische Parallele herhalten. Es ist schlicht so, dass mir heute früh, nach den Erlebnissen des gestrigen Tages, diese Geschichte von David und Goliat eingefallen ist und mich bewegt hat.

Da kam einer, der noch nicht einmal ein Soldat in den Streitkräften Israels war und keinerlei Kriegserfahrung hatte, zum König, um ihm mitzuteilen, dass er sein Land im Zweikampf gegen den furchtbaren Philister Goliat, diese gewaltige Kampfmaschine, vertreten will.1 Unfassbar!

Der König Saul musste schon ziemlich verzweifelt gewesen sein, dass er sich überhaupt mit David abgegeben hat. Aber was blieb ihm auch anderes übrig? In seinem Heer fand sich nicht ein einziger, der den Mut hatte, um gegen Goliat im Kampf anzutreten. Trotzdem, dass König Saul sich auf David einließ ist wirklich mehr als erstaunlich. Denn schließlich ging es um nichts weniger als sein Königreich!

Doch nach anfänglichen Zweifeln war König Saul durch das beherzte und furchtlose Reden und das Gottvertrauen Davids mächtig beeindruckt. „Soll er es doch versuchen“, mag er sich da gedacht haben.

Wenigstens eine gute Ausrüstung wollte König Saul dem David dann noch mit auf den Weg geben …

Gods way

Diese außergewöhnliche Geschichte über den Kampf zwischen David und Goliat ist im Laufe der Zeit sicher schon millionenfach weitererzählt worden. Und immer wieder haben die Leute beim Zuhören darüber gestaunt, dass der Kleine den Großen, den vermeintlich Unbezwingbaren besiegt hatte.

Durch diese Begebenheit – das ist mir heute früh beim Nachdenken darüber aufgegangen – sendet uns Gott jedoch auch noch eine weitere Botschaft. Es ist fast so, als wenn er sagen würde: „Ich mache das alles auf meine Weise!“

Und so hatte er sich damals jemanden als Retter für sein Volk ausgesucht, mit dem überhaupt keiner gerechnet hatte. Der König nicht, seine Soldaten nicht und Goliat und die Philister schon gar nicht. Aus menschlicher Sicht kam David überhaupt nicht in Frage. In den Reihen der Offiziere und Helden der israelischen Streitmacht hatte man sich sicher schon umgeschaut. Aber doch nicht unter den Hirten! Und außerdem: David konnte sich ja noch nicht einmal in der Rüstung eines Soldaten vernünftig bewegen!2 Wie sollte er sich denn dann bloß gegen einen so kampferfahrenen Gegner behaupten?

Ahnst du schon, warum dieser anscheinend nebensächliche Satz „Und er wählte 5 glatte Steine aus dem Bach …“ doch eine so wichtige Bedeutung hat?

Ich will es dir sagen: Weil Gott unscheinbare Menschen beruft und sie seine Aufträge auf eine Art und Weise erledigen lässt, die gut zu ihnen passt.

David konnte gar nicht vernünftig mit einem Speer oder einem Schwert kämpfen. Aber den Umgang mit dem Hirtenstab und der Schleuder, den hatte er gelernt. Damit hatte er Erfahrung. Das hatte David richtig gut drauf!

Und Gott hatte den Goliat schon besiegt auf dem Boden liegen sehen. Vornüber gefallen mit einem Loch in der Stirn. So ein Loch bekommt man mit einem Schwert nicht so gut hin. Aber eben mit einer Schleuder …

Der HERR hatte David auserkoren, er schenkte David den Glauben an und den Eifer für ihn sowie die Liebe für sein Volk. Und nachdem David die Zustimmung des Königs erhalten hatte, suchte er im Bach nach den richtigen Steinen, um seinen Auftrag gut hinzubekommen.

Den Job erledigen

Was ist eigentlich Gottes Auftrag an uns, den wir umsetzen sollen? Unser Problem ist, wenn wir ehrlich sind, dass wir schon das oft gar nicht so richtig wissen. Sich bewusst zu machen, dass wir so leben sollten, wie es Gott gefällt, ist da – auch wenn noch etwas unkonkret – sicher ein guter Anfang.

Dann denken wir, dass uns Gott gar nicht richtig gebrauchen kann. Weil wir dies und das und jenes ja gar nicht können. Meinen wir etwa, dass Gott das nicht auch weiß? Glauben wir, dass er uns etwas zumutet, was wir gar nicht bewerkstelligen können?

Nein, nein, das ist alles ganz falsch! Gott weiß ganz genau, wer du bist, was du kannst, was er dir zutraut und was er dir zumutet! Er hat dich dafür geschaffen und vorbereitet: Damit du seine Vorhaben auf die Weise erledigst, die er in dich hineingelegt hat.

Natürlich gibt es auch dabei Fälle, bei denen ER plötzlich Fähigkeiten schenkt, die vorher nicht da waren. Aber ich will es mal für den Alltag anhand eines praktischen Beispiels sagen: Wenn du gut kochen kannst, aber keine Ahnung vom Backen hast, dann solltest du für den nächsten hohen Besuch erst mal versuchen, das zu tun, was du gut kannst: ein tolles Gericht kochen (… und den Kuchen für das Kaffeetrinken besser kaufen :-)).

Wenn wir mit Gott unterwegs sind, können wir Überraschungen erwarten – auch für unser vermeintlich kleines und unscheinbares Leben. Dann wird es Momente geben, in denen sich einzelne Puzzlesteine ineinanderfügen, wir aus dem Staunen nicht herauskommen und ausrufen: „Unfassbar!“


1 vgl. 1. Samuel 31 ff.
2 vgl. 1. Samuel 17, 39

Bibelverse zitiert aus:

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. [LUT]
Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gottes Plan beinhaltet, dass mit unbekannten Leuten an unwichtigen Plätzen zu belanglosen Zeiten etwas ganz Großartiges und Wunderbares geschieht.“

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2 Antworten

  1. Günter Romer sagt:

    Torsten,
    Du schreibst so treffend und auf berührende Art und Weise. Das ist ein Talent, das dir Gott in die Wiege gelegt hat.
    Danke.

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