Worüber hat Jesus gepredigt?

Lesezeit: 6 Minuten

Jesus hat das Predigen als eine seiner wesentlichen Aufgaben angesehen (vgl. Markus 1, 38). Doch woraus bestanden seine Predigten? Worüber hat er zu wem gesprochen? Bei welchen Gelegenheiten und an welchen Orten?

Die 4 Evangelisten haben zu diesen Fragen reichlich Material überliefert und beigesteuert. Zum Teil finden sich dort Jesu Predigten in aller Ausführlichkeit und wörtlicher Rede, teilweise sind nur Zusammenfassungen oder Kernbotschaften und Kernsätze seiner Predigten wiedergegeben. Dass die Evangelisten den Predigten Jesu in ihren Schriften so viel Raum eingeräumt haben, unterstreicht die Wichtigkeit dieser Aufgabe Jesu. Deswegen lohnt es sich auch heute noch besonders, sich hiermit intensiv zu beschäftigen. Hierzu möchte ich dir mit den folgenden Passagen zumindest einige wenige Anregungen geben.

Die Vielfalt …

Die Predigten Jesu fanden und finden auch heute noch vielfach und vielerorts Beachtung. Jesus beschäftigte sich in seinen Predigten mit mannigfaltigen Themen und Aspekten. Sie sind überwiegend zeitlos und haben inhaltlich einen unglaublichen Tiefgang. Daher haben sie auch bis heute nicht an Aktualität und Relevanz verloren. Seine Predigten haben über die Jahrhunderte hinweg eine hohe Anziehungskraft auf Menschen gehabt. Den Einfluss seiner Worte auf das Leben von Millionen von Menschen aller Zeiten kann man gar nicht hoch genug ansetzen. Seine Predigten haben viel Gutes bewirkt.

… missverstanden

Leider sind aber seine Lehren, teilweise unbewusst, teilweise mit Absicht, vielfach missverstanden, fehlinterpretiert oder verfälscht und missbraucht worden. Häufig haben Jesu Anhänger wie auch seine Gegner einfach nur “den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen” und haben sich zu sehr auf bestimmte (Rand-)Themen, Einzelheiten oder besondere Aspekte seiner Predigten konzentriert und versteift. Dabei kann schnell der Blick für den Kontext, für die Situation, in der er seine Worte hinein spricht, für den Gesamtzusammenhang und das große Ganze verloren gehen.

Den roten Faden finden

Was sind, so müssen wir fragen, also seine Hauptpunkte? Was ist der rote Faden, der sich durch sein Gesamtwerk hindurchzieht, die Substanzen, aus der das Gebäude seiner Botschaft gebaut ist? Wie klingen die Generalthemen, die sich wie in der Musik, in verschiedenen Variationen, mal laut, mal leise, verschieden orchestriert, mal schneller, mal langsamer, aber immer deutlich erkennbar durch die Sinfonien seines Predigtdienstes ziehen? Aus den Predigten Jesu die Konzentrate herauszufiltern bedeutet zu vereinfachen und zusammenzufassen. Dies beinhaltet natürlich unter anderem das Risiko, seine Botschaft zu stark zu simplifizieren. Wichtige Aspekte könnten verloren gehen. Dennoch erscheint es mir wichtig, zunächst genau das zu versuchen und dies dann als Ausgangspunkt für die Behandlung weiterer Einzelheiten zu nutzen.

Eine Kernbotschaft    

Ein Generalthema Jesu findet sich, so meine ich, bereits in der allerersten Aussage im Neuen Testament zu seinem Predigtdienst. Der Text steht in Matthäus 4, 17 und lautet: “Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!” (vgl. auch Markus 1, 14 + 15).

Nicht lange nach seiner Taufe durch Johannes zog Jesus nach Galiläa und lebte in Kapernaum, das am See Genezareth liegt (vgl. Matthäus 4, 12 + 13). Er war zu dieser Zeit etwa Anfang dreißig. In Galiläa war er in der Öffentlichkeit sehr aktiv. “Und er zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich … “ (Matthäus 4, 23). Er war sozusagen als ein Wanderprediger unterwegs. Anders als Johannes, der in einer wüsten Gegend am Jordan, also außerhalb von Städten und Dörfern lehrte und massenweise Menschen anzog, suchte Jesus also zunächst die jüdischen Gläubigen in ihren Synagogen auf, um dort zu predigen.

“Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!” (Matth. 4, 17)

Ein Mann, der die Leute anzog

Die Auswirkungen seines Dienstes waren – insbesondere wenn man die damaligen Verhältnisse berücksichtigt, also das Fehlen moderner Kommunikationsmittel und Medien – phänomenal. Die Nachricht von ihm breitete sich in ganz Syrien aus. Er zog große Volksmengen, nicht nur aus Galiläa, sondern auch aus Judäa und jenseits des Jordans an. Dies hatte mit Sicherheit auch damit zu tun, dass er neben seinen Predigten massenhaft auf wunderbare Weise Menschen von Krankheiten und Gebrechen heilte (vgl. Matthäus 4, 23 – 25).

Nicht nur der Inhalt seiner Predigten, sondern auch seine Art zu predigen war besonders und außergewöhnlich: Jesus lehrte, anders als die frommen Schriftgelehrten seiner Zeit, mit Autorität und Vollmacht (vgl. Markus 1, 22). Völlig außergewöhnlich? Nein! Es gab ja einen, der ihm vorausgegangen war und der auf ihn hingewiesen hatte: Johannes der Täufer! Johannes hatte ebenfalls mit unglaublicher Autorität und Vollmacht sowie mit enormer Leidenschaft gesprochen (vgl. Matthäus 3 und Lukas 3).

Der Vorläufer

Interessanterweise fasst der Evangelist Matthäus auch die Kernbotschaft von Johannes in einem Satz zusammen. In Matthäus 3, 1 + 2 heißt es: “Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!”. Ist die Botschaft Jesu also völlig neu? Wiederum lautet die Antwort: “Nein!”. Jesus greift die Botschaft von Johannes auf, wiederholt sie, trägt sie weiter und führt sie fort!

Tut Buße

Worum geht es nun inhaltlich in dieser Lehre?
Da ist zunächst der Aufruf, der Appell, die Aufforderung “Tut Buße, …”, gefolgt von einer Begründung, einer Erläuterung (“… denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!”), die die Zuhörer dazu motivieren soll, diesem Aufruf Folge zu leisten. Diese Botschaft, so meine ich, ist im engen Zusammenhang mit dem 3. Kapitel aus 1. Mose zu sehen. Der Sündenfall von Adam und Eva im Garten Eden hat gravierenden Konsequenzen und desaströsen Veränderungen für Adam und Eva selber, die nachfolgenden Generationen und für die Menschheit sowie für die Schöpfung insgesamt. Die Menschen leben nun unter der Herrschaft der Sünde, entfremdet und getrennt von Gott, verurteilt, verdammt und nur noch mit einer einzigen Perspektive – mit der Perspektive des Todes.

Der Aufruf Jesu “Tut Buße!” beinhaltet grundsätzlich zu seiner Zeit und auch für uns, die wir uns mit seinen Predigten beschäftigen, Dreierlei: Erkennen, Bereuen und Umkehren.

Erkennen

Jesus ruft die Menschen, er ruft dich und mich, in seinen Predigten immer wieder dazu auf, zu erkennen, wie es um sie, wie es um uns bestellt ist. Wir sollen Klarheit darüber gewinnen, wer und wie Gott ist und in welcher Beziehung wir zu ihm stehen. Es gilt dabei einzuschätzen, ob wir Menschen Gottes Anforderungen an uns genügen können. Jesus ruft dazu auf, dass wir uns selbst beurteilen, dass wir die eigene Sünde und Schuld begreifen und dass wir identifizieren, an welchen Stellen wir uns von Gott losgemacht und von ihm abgekehrt sind. Letztlich geht es Jesus in seinen Predigten darum, dass wir unsere ganze Verlorenheit und Hilflosigkeit begreifen und uns eingestehen sollen, dass ein Leben ohne Gott am wahren Sinn des Lebens vorbeigeht und letztlich in die Hölle führt.

Bereuen

Das zweite Element der Buße ist es, dass wir Menschen aus der Erkenntnis unserer Verlorenheit vor Gott heraus beginnen traurig zu werden. Wir sollen darüber betrübt sein, was wir getan haben. Wir sollen darüber trauern, dass wir bisher in völliger Abkehr von Gott gelebt haben. Es geht darum, dass Menschen beginnen zu bedauern, wie gottlos sie bisher ihr Leben geführt haben. Dabei geht es selbstverständlich nicht um Selbstmitleid und ein billiges Trostpflaster, um dann einfach so weiterzuleben wie bisher. Nein, es geht um ein ganz tiefes Erkennen und beinahe untröstliches Leiden darüber, wie wir gedacht, was wir gesagt und was wir getan haben.

Umkehren

Echtes Erkennen und Bereuen soll zu – und das ist das dritte Element Jesu Aufruf zur Buße – einer Umkehr führen, zu einer 180°-Wende. Wenn wir bisher ohne Gott, von ihm abgekehrt und entfremdet gelebt haben, so sollen wir diesen Weg nicht fortsetzen. Es geht zunächst darum, dass wir uns umdrehen. Wenn wir bisher auf einem falschen Lebensweg – ohne Gott – unterwegs waren, so sollen wir nun die Richtung ändern. Es ist wie ein irrtümliches Hineinfahren in eine Sackgasse. Man muss eine völlige Kehrtwendung vollziehen – eine leichte Richtungskorrektur genügt nicht. Und dann muss man die ganze Strecke wieder zurück, um an die Stelle zu gelangen, von der man in die richtige Straße einbiegen kann.

Umkehr im biblischen Sinne bedeutet daher, dass man ab sofort umdenkt, neu denkt und sein Leben neu ausrichtet. Dass man sein Leben auf Gott hin ausrichtet. Dass man sein Vertrauen, sein Verlangen, seine Sehnsucht und seine Hoffnung auf Gott setzt. Wenn Jesus zur Buße ruft, dann ist es genau das. Menschen wie du und ich sollen anfangen nach Gott zu suchen, ihm zu vertrauen und ihm zu gehorchen – und das bedeutet “Glauben”.

Soweit waren das nun einige Ausführungen zu Jesu Aufruf “Tut Buße!” .

Das Himmelreich ist nahe

Doch das ist, wie wir gesehen haben, nur der erste Teil seiner Kernbotschaft. An diesen Teil schließt sich das “… denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!” als Begründung und Erläuterung an.

Auch dieser Abschnitt hat es wirklich in sich. Wenn dieser Vers 7 aus dem 4. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus die Zusammenfassung, die Kernaussage des Predigtdienstes von Jesus ist, dann muss dieser Vers tiefgründig und umfassend aufgestellt sein. Doch worum geht es hier? Wie untermauert Jesus seinen Ruf zur Buße? Wie argumentiert, erläutert, erklärt und motiviert er dazu?

Im Garten Eden

Wir müssen unbedingt nochmals zurückspringen zu 1. Mose, Kapitel 3. Gott hatte bereits vor langer Zeit einen Plan gefasst. Neben all der Dramatik und Bestrafung gibt Gott bereits im Garten Eden nach dem Sündenfall von Adam und Eva auch eine ganz besondere Verheißung. Er spricht zur Schlange (1. Mose 3, 15): “Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.”

Hierin sehen bereits die Juden – zu Recht – den ersten Hinweis auf den Messias. Eines Tages sollte ein Samen, ein Nachkomme der Frau kommen, der der Schlange, dem Feind Gottes, dem Satan, dem Teufel, dem Inbegriff allen Bösen den Kopf zertreten würde. Der Feind Gottes sollte ein für alle Male vernichtet werden. Durch diesen Messias, so Gottes Vorhaben, sollte auch das Problem der Sünde gelöst werden (hiermit befassen wir uns später noch näher). In ihm sollten alle Völker gesegnet werden (vgl. nochmals 1. Mose 12, 3).

Christus

Dieser besondere Samen, dieser spezielle Nachkomme, der Messias, der Christus, war gekommen. Er stand in Jesus, dem Sohn Gottes, nun leibhaftig vor ihnen. Insofern – so können wir es vereinfachend ausdrücken – ist das Himmelreich tatsächlich und in Jesus leibhaftig nahe gekommen. Gott war bereits dabei seinen vor langer Zeit aufgestellten Plan, sein lange gehegtes Vorhaben umzusetzen. Der Retter war bereits in Aktion. Der Einfluss und der Herrschaftsbereich Gottes war nun für alle, zum Beispiel durch Jesu Wunder und Krankenheilungen, deutlich sichtbar geworden und darüber hinaus zum Anfassen nahe gekommen: In der Gestalt von Jesus Christus!

Dies ist nun ganz kurz und konzentriert zusammengefasst der zweite Teil dieser Botschaft Jesu, der zweite Abschnitt eines Themas, das sich in Jesu Predigten und Worten nicht ausschließlich, aber immer wieder facetten- und variationsreich widerspiegelt.

Bibelverse zitiert aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

[Dieser Artikel befindet sich auch in dem Buch “Als Gott das Licht anmachte” siehe auch bibelesewelt.de/buecher/ ]


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Über den Autor:

Torsten Ratschat, gebo­ren 1967, ist leitender Angestell­ter in der Stahl­industrie. Er ist verhei­ratet und hat 3 erwach­sene Kinder.

„Gottes Plan beinhaltet, dass mit unbekannten Leuten an unwichtigen Plätzen zu belanglosen Zeiten etwas ganz Großartiges und Wunderbares geschieht.“

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